Donnerstag, 17. Juni 2021

Gelesen: "L'Adultera" von Theodor Fontane

 


Coverbild freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt


Autor: Theodor Fontane
Titel: L'Adultera
160 Seiten
Aufbau Verlag
Taschenbuch
ISBN 978-3-7466-3641-2
Preis: 8,00 € (D), 8,30 € (A)


Klappentext:
Melanie, die elegante Bankiersgattin, bricht alle Brücken ab und flieht mit ihrem Geliebten, von dem sie ein Kind erwartet. Die Gesellschaft missbilligt diesen Schritt und brüskiert die junge Frau auf schmerzhafte Weise. Doch ewig mag keiner den Richter spielen, und so stellt sich am Schluss eine Balance her, die Weiterleben ermöglicht.

Meine Meinung:
Es gibt ja ein paar Geschichten von Fontane, die ich sehr gern mag, z.B. "Mathilde Möhring" oder "Frau Jenny Treibel". Seine Gesellschafts- und Charakterstudien sind so wunderbar präzise ausgearbeitet, das macht mir normalerweise großen Spaß. Aber dieses Buch hier fand ich eher enttäuschend. Das liegt vor allem am Setting: Melanie war 17 Jahre jung, als sie heiraten "musste", um ihren Status und Lebensstil behalten zu können. Im Gegensatz zu Effi Briest ist es sogar ihre eigene Entscheidung. Ihr Mann ist 25 Jahre älter als sie. Da haben wir also die übliche Kombination aus Kapitalismus und Patriarchat, ohne die es hier keine Geschichte gäbe. Und es scheint, als hätten sie ja keine andere Wahl gehabt. Dabei hätte der Herr Kommerzienrat sie doch auch adoptieren oder sonstwie unter seine Fittiche nehmen können, anstatt ihre finanzielle Not auszunutzen, um seinen eigenen gesellschaftlichen Status aufzuwerten und das Ehebett mit einem Mädchen teilen zu können, das seine eigene Tochter sein könnte. Und sie hätte auch arbeiten gehen können, denn das haben schließlich viele andere junge Frauen auch damals schon getan, woher wären sonst die ganzen Kammerzofen, Küchenmädchen, Kindermädchen usw. gekommen?
Auch der Nebenbuhler Rubehn ist mir leider nur unsympathisch. Er hätte Melanie ein wahrer Freund sein können, aber statt dessen mischt er sich in ihre Ehe ein. Das ist auch dem Ehemann gegenüber wirklich undankbar, denn er ist bei der Familie schließlich zu Gast. Und auch vom Ehemann finde ich es wirklich ungeschickt, seiner jungen und gelangweilten Frau so einen attraktiven, jungen Mann als Dauergast in die Wohnung zu setzen. Natürlich ist es ihre Entscheidung, ob sie die Ehe bricht, aber er muss sie ja auch nicht so in Versuchung führen.
Am schlimmsten finde ich, wie in der Geschichte mit den Kindern umgegangen wird. Aber da will ich nicht ins Detail gehen, sonst verrate ich zu viel über das Ende.
Immer wieder habe ich beim Lesen gedacht: "Ach, warum ist sie nicht mehr wie Jane Eyre von Charlotte Brontë? Die hatte wenigstens Stolz und ein gutes Herz!" Aber gut, dieses Buch gab es ja schon.

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