Montag, 2. Februar 2026

Gelesen: "Sorry, aber ... Eine Verzichtserklärung an das ständige Entschuldigen" von Tara-Louise Wittwer




Titel: Sorry, aber ... Eine Verzichtserklärung an das ständige Entschuldigen
Autorin: Tara-Louise Wittwer
Verlag: Knaur
Veröffentlichung: 02.05.2024 
ISBN: 978-3-426-44681-2 
208 Seiten
Paperback
Preis: 18 €


Klappentext:
Wir entschuldigen uns ständig: »Sorry, dass ich störe «, »sorry, ich muss mal durch«, aber ist das wirklich notwendig? »sorry, aber ...« Bestseller-Autorin Tara-Louise Wittwer (»Drama Queen«) nervt es, dass ihr eine schnelle Entschuldigung oft so viel leichter über die Lippen geht als für sich einzustehen. Und dass sie sich so oft schuldig fühlt, obwohl es keinen Grund dazu gibt.
Warum ist es überhaupt wichtig, sich zu entschuldigen – und was bedeutet eine Entschuldigung, wenn sie nicht ernst gemeint ist? Entschuldigen wir uns, um die Schuld abzuladen? Entschuldigen wir uns für andere, damit sie sich besser fühlen? Kann man sich überhaupt aktiv entschuldigen, oder muss man um Entschuldigung bitten? Entschuldigen sich Frauen mehr als Männer? Hat sich die Art und Weise, wie wir uns entschuldigen, im Laufe der Zeit verändert? Welchen Einfluss haben die sozialen Netzwerke auf unsere Fehlerkultur?
In ihrem neuen Sachbuch »Sorry, aber...« hält Tara-Louise Wittwer unserer Gesellschaft erneut den Spiegel vor - und natürlich auch sich selbst.

Meine Meinung:
Ich wünsche mir, dass alle dieses Buch lesen. Denn "Ey, sorry, ey!" macht einfach nichts besser, wenn jemand immer wieder denselben egoistischen Mist macht. Ich hatte mal einen Freund, der mir immer vorsorglich Blumen mitgebracht hat, wenn er mehr als eine Stunde zu spät kam. Dazu ein Dackelblick, aber keine absehbare Änderung seines Verhaltens. Und ich mag gar keine Schnittblumen. Die bringen mir meine Lebenszeit auch nicht zurück.
Gleichzeitig muss endlich Schluss damit sein, dass man sich ständig für Dinge entschuldigen muss, die man nicht ändern kann oder für die man selbst gar keine Verantwortung trägt.
Danke, liebe Tara-Louise Wittwer! Danke für diese deutlichen Worte, diesen Rant, diesen längst überfälligen Rundumschlag!

Tipp:
Die ersten 21 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe.
Das Hörbuch ist bei Argon erschienen und dort gigt es eine kostenlose Hörprobe.



Freitag, 30. Januar 2026

Zum Ärgern - Werke, die die Welt nicht braucht



1. "Wechseljahre - Ganz entspannt durch die Wechseljahre/Autogenes Training für die Menopause" (ungekürzt) von Dr. med. Verena Breitenbach

Dass ich hier nichts Neues gehört habe, kann ja daran liegen, dass ich schon ganz gut informiert bin. Auch dass ich den Dialekt der Autorin nicht mag, ist nicht unbedingt ihre schuld. Aber ich hätte gern einen wertfreien Umgang mit körperlichen Details. Ob man z.B. eine stärkere Behaarung unangenehm findet, ist doch Geschmacksache. Vielleicht findet das ja jemand spannend oder kuschelig?
Überhaupt ist mir der allgemeine Teil über die Wechseljahre zu negativ. Da ist die Rede davon, dass Frauen für die Familie belastend sind, wenn sie Stimmungsschwankungen haben. Und man solle sich Zeit für sich nehmen, Sport treiben usw., damit man "wieder besser für den Partner und die Familie da sein kann". Nö! Diese Zeit ist in meinen Augen dafür da, endlich mal zu checken, wie sehr man immer nur für andere da war und ausgenutzt wurde, ohne jemals dafür Respekt oder Anerkennung zu erhalten. Vielleicht ist es auch die Zeit, diesen Partner in die Wüste zu schicken.
Auch der Hinweis, dass man "beim Geschlechtsverkehr Schmerzen haben kann", ist mir zu kurz gedacht. Vielleicht ist jetzt einfach nicht die Zeit für vaginalen Verkehr. Vielleicht kann man auch das Sexleben endlich mal völlig neu denken. Oder die Zeit und Energie für etwas anderes nutzen, als hauptsächlich den Mann glücklich zu machen.
Der Entspannungsteil ist derselbe wie bei vielen anderen CDs dieser Art. Ob man solche Bilder mag, bei denen z.B. "sich der Schädel nach oben öffnet", ist sicher individuell verschieden. Ich war jedenfalls so genervt, dass es pure Entspannung war, als ich die CD endlich ausgeschaltet habe.



2. "Dann koch doch selber. (K)eine kulinarische Kurzgeschichte" von Ellen Berg

Die Bücher von Ellen Berg gefallen mir mal mehr und mal weniger. Dieses hier hat mich aber richtig wütend gemacht. Da lädt eine Frau Gäste zum Essen ein und sie ärgert sich, dass jeder plötzlich etwas anderes nicht mehr essen mag: Laktose, Gluten, Fleisch, Gekochtes, Alkohol,...
Anstatt die Herausforderung anzunehmen und z.B. ein Büffet zu planen oder einfach etwas anderes als Essen in den Mittelpunkt der Feier zu stellen, wird sie patzig und serviert ihren Gästen je ein Glas Wasser und einen Apfel, quasi als kleinsten gemeinsamen Nenner. Als sie mit ihrem Mann dann in der Küche über das Menü herfällt, kommen nach und nach die Gäste, weil es ja so lecker riecht und mal dürfe man ja eine Ausnahme machen...
Es mag ja sein, dass manche Menschen nur auf einen Trend aufgesprungen sind und deshalb auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Aber viele haben wirklich Allergien oder Unverträglichkeiten. Ich habe hier im Haushalt eine Person mit Laktoseintoleranz und eine mit Weizenunverträglichkeit. Das haben die sich nicht ausgesucht. Sie haben monatelang gelitten (Bauchschmerzen, Durchfall, heftigste Blähungen), bis wir endlich die Ursachen gefunden hatten. Und wenn ich vegan und zuckerarm lebe, weil ich dadurch keine Gelenk- und Periodenschmerzen mehr habe, ist das auch keine Mode. Und selbst wenn ich "nur" der Umwelt, dem Klima und den Tieren zuliebe auf tierische Produkte verzichte, dann ist das eine Haltung, die Freunde und Familie respektieren müssen. Ansonsten können wir auch gern den Kontakt abbrechen.



3. "Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte. Zwanzig zamonische Flabeln" von Walter Moers

Ich habe nur die ersten paar Seiten gelesen, da hatte ich schon die Nase voll. Diese "Einhörnchen" sind einfach nur Eichhörnchen mit einem Horn an der Stirn, die sich größtenteils wie Menschen verhalten, also Zeitung lesen, ein Badezimmer haben und Kaffeekränzchen veranstalten. So weit, so unkreativ. Aber als der Onkel vorschlägt, k.o.-Tropfen zu benutzen, um dem titelgebenden Einhörnchen einen Streich zu spielen, war für mich Schluss. Das ist nicht lustig. Mit k.o.-Tropfen wird bis heute so viel Schaden angerichtet, üblicherweise auf Kosten von Frauen, das ist ein extrem großes Problem. Wer das ignoriert, ist Teil des Problems.


Dienstag, 27. Januar 2026

Gelesen: "Drei Tage im Schnee" von Ina Bhatter



Titel: Drei Tage im Schnee
Autorin: Ina Bhatter
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
eBook 
Veröffentlichung: 01.10.2025 
ISBN: 978-3-462-31382-6 
176 Seiten 
Preis: 16,99 €


Klappentext:
Hannah führt ein turbulentes Großstadtleben. Sie hetzt von einem Termin zum nächsten und verbringt ihre Tage damit, auf Dinge zu reagieren, die von außen auf sie einströmen, findet kaum Zeit für sich selbst. Um abzuschalten, mietet sie sich für ein paar Tage ein kleines Holzhaus an einem See, eingebettet in weiß verschneite Natur. Plötzlich taucht dort ein Kind in einem roten Schneeanzug auf: die kleine Sophie. Die beiden freunden sich an.
Während sie in der entrückten Winterwelt Iglus bauen und Schneeengel machen, kommt Hannah so allerlei in den Kopf, was sie längst verloren glaubte: alte Freundschaften, vergessene Sehnsüchte und Talente. Etwas verschiebt sich und alles ordnet sich neu an. Allmählich beginnt Hannah, ihr Leben und die Welt in einem neuen Licht zu sehen: bunt und echt wie in ihrer eigenen Kindheit.

Meine Meinung:
Immer mehr Menschen begreifen, dass sie mit Bullshitjobs ihre Lebenszeit vergeuden. Und dass es nicht glücklich macht, sich in der Freizeit auf Social Media durch die Leben der anderen zu klicken, während das eigene sinnlos vergeht. Auch die ewige Selbstoptimierung ist kein Weg, der uns irgendwo hin führt. Davon werden nur die Reichen noch reicher und der Planet geht kaputt.
Wer auf dem Weg zu dieser Erkenntnis noch Nachhilfe braucht, kann dieses Buch lesen. Es ist wirklich gut dafür geeignet. Bei mir allerdings rennt es offene Türen ein.

Tipps:
Die ersten 34 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe.
Das Hörbuch ist bei Argon erschienen. Dort gibt es eine kostenlose Hörprobe.



Samstag, 24. Januar 2026

Gelesen: "Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes" von Giulia Becker



Titel: Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes
Autorin: Giulia Becker
Veröffentlichung: 12.11.2024
eBook
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-644-00805-2 
224 Seiten
Verlag: Rowohlt


Klappentext:
Giulia Becker, die Königin des Grotesken, entlarvt alltägliche Herausforderungen mit urkomischem Humor und Selbstironie!
In ihrem neuen, zweiten Buch Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes strickt Giulia Becker einen ganzen Kosmos aus kleinen Alltagsbeobachtungen. Ein Urlaub im Wellnesshotel, der Umstieg vom Zweirad aufs Einrad, die Anmeldung im Fitnessstudio – Becker erzählt von Ereignissen, die meist harmlos beginnen und dann die unerwartetsten Wendungen nehmen.
Mit ihrem unverwechselbaren Stil, geprägt von Selbstironie und feministischem Unterton, entlarvt die Autorin alltägliche Herausforderungen als das, was sie sind: eine Aneinanderreihung von Absurditäten, die in ihrer Summe vor allem urkomisch sind. Bekannt durch den Podcast "Drinnies" mit Chris Sommer, begeistert Giulia Becker mit ihren humorvollen Kurztexten nicht nur Introvertierte, sondern alle, die das Komische im Alltag zu schätzen wissen.

Meine Meinung:
Nach "Patriot" hatte ich ganz schlimm Buchweh. Das ist dieses Gefühl, wenn man ein großartiges Buch ausgelesen hat und einfach weiß, dass alles, was man danach liest, im Vergleich höchstens mittelmäßig sein kann. Ich greife dann gern zu Werken, an die ich eh keine großen Erwartungen habe. In diesem speziellen Fall brauchte ich auch unbedingt leichte Kost. Dafür war "Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes" genau richtig. Herrlich absurd und in kleinen Häppchen hat es mich gut unterhalten. Die Geschichte mit dem perfekten Dinner hätte ich nicht gebraucht. Dafür fand ich die im Thermenhotel echt schön.

Tipp:
Die ersten 45 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe. Das Hörbuch ist bei Argon erschienen und es gibt dort eine kostenlose Hörprobe.



Mittwoch, 21. Januar 2026

Gelesen: "Patriot - Meine Geschichte" von Alexej Nawalny



Titel: Patriot - Meine Geschichte
Autor: Alexej Nawalny
Fischer-Verlag
Übersetzung: Rita Gravert, Norbert Juraschitz,Karin Schuler
Veröffentlichung: 22.10.2024 
ISBN: 978-3-10-492169-3
544 Seiten 
Preis: 24,99 €


Klappentext:
Die eindringliche und bewegende Autobiographie eines furchtlosen Oppositionsführers, der den höchsten Preis für seine Überzeugungen zahlen musste.
Nawalny begann mit der Arbeit an PATRIOT im Jahr 2020, kurz nach dem Giftanschlag auf ihn. Es ist die umfassende Geschichte seines Lebens: seine Jugend, seine Berufung zum Aktivisten, seine Ehe und Familie sowie sein Einsatz für Demokratie und Freiheit in Russland angesichts einer Supermacht, die ihn unbedingt zum Schweigen bringen will. PATRIOT zeigt Nawalnys absolute Überzeugung: Der Wandel ist nicht aufzuhalten. Er wird kommen. 
Anschaulich und mit spannenden Details, einschließlich bislang unveröffentlichter Aufzeichnungen aus dem Gefängnis, schildert Nawalny seinen politischen Werdegang, die zahlreichen Anschläge auf ihn und seine Vertrauten und die hartnäckigen Kampagnen, die er und sein Team gegen das zunehmend diktatorische Regime zu führen wagten. 
Nawalnys Witwe, Julija Nawalnaja, sagt: “Dieses Buch ist nicht nur das Zeugnis von Alexejs Leben, sondern auch von seinem standhaften Kampf gegen die Diktatur – ein Kampf, für den er alles gab, einschließlich sein Leben. Die Leser werden den Mann kennenlernen, den ich zutiefst geliebt habe – einen Mann von umfassender Integrität und unbeugsamem Mut. Seine Geschichte wird nicht nur sein Andenken ehren, sondern auch andere Menschen inspirieren, sich für das Richtige einzusetzen und nie die Werte aus den Augen zu verlieren, die wirklich zählen.”
Geschrieben mit der Leidenschaft, dem Esprit, der Aufrichtigkeit und dem Wagemut, für die er zu Recht bewundert wurde, ist PATRIOTNawalnys Abschiedsbrief an die Welt: eine bewegende Darstellung seiner letzten Jahre, die er im brutalsten Gefängnis der Welt verbrachte, eine Mahnung, warum die Grundsätze der individuellen Freiheit so wichtig sind, und ein mitreißender Aufruf, das Werk fortzuführen, für das er sein Leben gab.

Meine Meinung:
Wow! Dieses Buch hat mich derart gefesselt, dass ich ständig alles um mich herum vergessen habe, dauernd zu spät gekommen bin und wenn ich es mal für einen Augenblick nicht gelesen habe, permanent darüber geredet habe. Ich bin zutiefst erschüttert über diesen Bericht. Ich bin extrem beeindruckt von Alexej Nawalny, diesem Mann mit seiner unerschöpflichen Kreativität, der aufrechtesten Haltung der Welt, seiner unendlichen Liebe zu seinem Heimatland und seinem unzerstörbaren Willen, für Demokratie und Gerechtigkeit zu sorgen. Sein Kampf gegen Korruption ist unglaublich. Jeder andere hätte nach kurzer Zeit frustriert aufgeben, aber er hat einfach immer weiter gemacht, unerschütterlich sein Ziel vor Augen. Für ihn gab es immer nur das Ziel und die Wege dorthin. Alles andere war für ihn indiskutabel. Wer (wie ich vor der Lektüre) denkt: "Warum um Himmels Willen ist er denn nach Russland zurück gekehrt, nachdem er fast durch den Giftanschlag gestorben wäre?", muss dieses Buch lesen. Und wer meint, dass Demokratie nicht so wichtig ist, muss dieses Buch auch lesen. Ich bin gleichzeitig einerseits erschüttert und am Boden zerstört, andererseits wild begeistert und jetzt eine glühende Verehrerin von Alexej Nawalny und seiner Frau Julija Nawalnaja.

Tipps:
Die ersten drei Kapitel (!) gibt es als kostenlose Leseprobe. Das Hörbuch ist bei Argon erschienen und es gibt dort eine kostenlose Hörprobe. Bei Ecolibri gibt es eine weitere Hörprobe, die genau daran anschließt.

Sonntag, 18. Januar 2026

Gelesen: "Bis die Sonne scheint" von Christian Schünemann



Titel: Bis die Sonne scheint
Autor: Christian Schünemann
Verlag: Diogenes
eBook
256 Seiten
Veröffentlichung: 26. Februar 2025
ISBN 978-3-257-61559-3
Preis: 21.99 € (D), 21.99 € (A), 28.00 sFr


Klappentext:
Es ist das Jahr 1983. Daniel steht kurz vor seiner Konfirmation und träumt von blauem Samtsakko und grauer Flanellhose. Doch seit er die Eltern belauscht hat, schwant ihm, dass daraus nichts wird. Hormanns sind pleite und wissen nicht mehr, wie sie die sechsköpfige Familie über die Runden bringen sollen. So erfinderisch die Eltern auch sind, eines können sie nicht: mit Geld umgehen. Was sie dagegen beherrschen: den Schein wahren, selbst als der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht.
Die Idee war genial: Eine eigene Firma gründen und mit einem Selbstbau-Verfahren kleinen Leute helfen, den Traum vom eigenen Haus wahr zu machen. So konnte Siegfried sich und seiner sechsköpfigen Familie ein Leben im Wohlstand aufbauen. Doch in Zeiten der Wirtschaftsschwäche fehlen die Aufträge. Siegfried versucht es als Vertreter von Wasserfiltern, Mutter Marlene eröffnet einen Wollladen – doch es reicht nicht. Vor den Großmüttern muss man verbergen, dass die Konten gesperrt sind und das Haus unter den Hammer kommt. Aber die Hormanns haben ein Talent: Auch wenn alles zusammenbricht, Ruhe bewahren und das Leben genießen. Ins Auto steigen, losfahren – so lange, bis die Sonne scheint. Eine Familiengeschichte wie eine Achterbahnfahrt und ein fesselndes Zeitpanorama – vom Kriegsende bis zu den Achtzigerjahren.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist wie ein Flashback in meine eigene Kindheit. Wir waren zwar "nur" drei Kinder und unsere Eltern waren geschieden. Aber wir lebten beim neuen Mann unserer Mutter, der auch zwei Kinder hatte. Er war Bauunternehmer und hatte sein Haus teilweise selbst gebaut. Das Dach war undicht und bei Regen verteilten wir Tupperschüsseln und Kochtöpfe im ganzen Haus. Der Pool wurde nie fertig, die Fußbodenheizung und der Geschirrspüler waren ständig kaputt. Das Geld reichte vorne und hinten nicht, aber der Schein wurde immer gewahrt, selbst als der Gerichtsvollzieher kam. Meine Geschwister nahmen am Schüleraustausch in englisch und französisch teil, während im Bad die Fliesen von der Wand fielen. Die Geschichten der Großmütter findet vermutlich jeder in irgendeiner Form in seiner Familie wieder. Und auch wenn alles zusammenbricht, geht es immer irgendwie weiter. In unserem Fall dann ohne den Mann...
Ich kann nicht sagen, ob dieses Buch eine typische Kindheit in den 80er Jahren zeigt, aber meiner ist es erschreckend ähnlich. 

Tipps:
Für die Leseprobe beim Verlag muss man Marketing-Cookies akzeptieren. Lest lieber die Leseprobe (immerhin 47 Seiten! Das ist fast ein Fünftel des ganzen Buches!) bei Ecolibri. Das Hörbuch ist auch bei Diogenes erschienen. Bei Ecolibri könnte ihr auch ohne Cookies reinhören.



Donnerstag, 15. Januar 2026

Mein Leben ist zu kurz für diese Bücher



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1. "Achtzehnter Stock" von Sara Gmuer
Schade. Das Setting, die Bilder und die Sprache haben so viel Potential, aber die Geschichte finde ich einfach nur furchtbar. Die Protagonistin hält sich für die Größte und alle anderen sind unter ihrer Würde. Auch über die Nachbarin, die ständig - vermutlich sogar kostenlos - ihr Kind hütet, denkt sie nur schlecht und sie kennt oder zumindest nennt nie deren Namen.
Wer etwas über Menschen in der Platte lesen will, greift besser zu "Marzahn Mon Amour". Auch "Hinterhaus" ist ein schönes Buch über Menschen in prekären Wohnverhältnissen. Eine sehr inspirierende Geschichte über eine junge Frau, die aus ihrem Milieu ausbrechen will, ist auch "22 Bahnen".


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2. "Freiheitsschock - Eine andere Geschichte Ostdeutschlands von 1989 bis heute" von Ilko-Sascha
Kowalczuk

Inhaltlich steht in diesem Buch nichts, das ich nicht schon vorher gewusst hätte. Insbesondere brauche ich keine Zusammenfassung der Olsen-Bande. Aber das wäre ja nicht so schlimm. Jedoch kommt der Autor nicht zum Punkt. Er schwafelt immer wieder über den titelgebenden Freiheitsschock, dreht sich dabei im Kreis. Einerseits verurteilt er, dass die USA für die DDR das personifizierte Böse war, der Teufel, der Todfeind. Andererseits motzt er ständig über den Kommunismus und zählt all seine Sünden auf, ohne sich mal mit der Grundidee zu beschäftigen. Sorry, das ist mir echt zu undifferenziert.



3. "Es ist ein Elch entsprungen" von Andreas Steinhöfel
Die Idee ist ja ganz nett, aber die ständigen Seitenhiebe gegen die Emanzipation nerven. Der Punkt, an dem ich abgebrochen habe: Der Elch behauptet, die Rentiere, die den Schlitten vom Weihnachtsmann ziehen, wären alle männlich. Dabei haben diese im Winter gar kein Geweih. Die Weibchen schon. Als wäre es nicht schon übel genug, dass die meiste Arbeit rund ums Fest an Frauen hängenbleibt, aber der Weihnachtsmann dafür die Lorbeeren einheimst...



Montag, 12. Januar 2026

Gelesen: "Mein wunderbarer Küstenchor" von Janne Mommsen



Titel: Mein wunderbarer Küstenchor
Autor: Janne Mommsen
Verlag: Rowohlt
eBook
Preis: 9,99 €
Veröffentlichung: 24.07.2018 
ISBN: 978-3-644-40396-3


Klappentext:
Die Saison ist vorbei, das Hotel, das Britta leitet, wird für den Winter geschlossen. Ihr seelischer Anker ist der Chor, der seit zwanzig Jahren jeden Mittwochabend probt. Hier singt man, hilft einander, feiert und verliebt sich auch manchmal ineinander.
Eines Tages verkündet der langjährige Chorleiter, dass er wegziehen muss. Ein Schock für alle, denn mit ihm drohen auch die beiden verbliebenen Männerstimmen abzuwandern. 
Britta krempelt die Ärmel hoch. Sie veranstaltet ein Casting für einen neuen Chorleiter: Es bewerben sich unter anderem ein vermeintlicher Broadway-Star sowie eine grell geschminkte ehemalige Balletttänzerin mit knallharten Lehrmethoden. Doch ein Gutes hat die Aktion: Britta lernt einen jungen Klavierprofessor kennen. Der ist begeistert von ihrem Engagement und überredet sie, den Chor selbst zu leiten. Wird es den beiden gelingen, die Chorgemeinschaft zu retten?

Meine Meinung:
Seichter Ostsee-Roman, spielt vom Herbst bis in den Winter.

Tipp:
Die ersten zwei Kapitel gibt es als kostenlose Leseprobe.





Freitag, 9. Januar 2026

Gelesen: "Tagebuch einer Berliner Busfahrerin" von Antje Boesler





Titel: Tagebuch einer Berliner Busfahrerin
Autorin: Antje Boesler
ISBN: 9783758377655
Verlag: Books on Demand
Veröffentlichung: 11.10.2023
eBook
Preis: 6,99 €
180 Seiten


Klappentext:
"Solche Geschichten kannst du dir nicht ausdenken". Seit über drei Jahrzehnten fährt Antje Boesler mit einem Omnibus durch Berlin und besitzt gleich drei Berliner Lizenzen, die Benutzer des ÖPNV ganz legal um die Ecke zu bringen. 180 Seiten gute Gründe aus dem Arbeitsalltag, warum der Bus schon wieder zu spät kommt, trotzdem kein Speisewagen ist und die Busfahrerin Feierabend hat, wenn der Fahrgast seinen Döner an die Frontscheibe wirft. Mit einem unerschütterlichen Humor und einer bewundernswert positiven Lebenseinstellung meistert Antje Boesler die Herausforderungen des Berliner Nahverkehrs.

Meine Meinung:
Die ersten 40 Jahre meines Lebens bin ich in Berlin hauptsächlich mit der BVG unterwegs gewesen. Ich könnte darüber, was ich da so alles erlebt habe, vermutlich auch ein Buch schreiben. Ich habe von unverschämt motzenden über grummelige und gelangweilte bis hin zu sehr freundlichen und extrem humorvollen Busfahrern und Busfahrerinnen sämtliche Schattierungen dieser besonderen Berufsgruppe erlebt. Wenn man die Geschichten von Antje Boesler liest, versteht man, warum dies ein ganz besonderer Menschenschlag ist oder besser: sein muss. Ich würde es in dem Beruf sicher keinen halben Tag aushalten. Ich habe beim Lesen viel gelacht, war aber auch oft sprachlos und erschüttert. Vor allem dass es an den Endhaltestellen oft keine Möglichkeit gibt, auf Toilette zu gehen, daran sollte die BVG dringend arbeiten. Über den Personalmangel muss man sich jedenfalls nicht wundern, solange dieses Problem nicht behoben wurde.

Tipps:
Es gibt eine kostenlose Leseprobe. Schaut unbedingt rein, auch wegen der netten Illustrationen!
Es gibt auch eine Hörbuchfassung, gelesen von Stefanie Heer. Natürlich gibt es dazu auch eine kostenlose Hörprobe.
Wollt Ihr mehr in dieser Richtung lesen, dann greift zu den Büchern von Susanne Schmidt: "Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei" und "Please leave the bus hier. Ein Bus, 26 Haltestellen, eine Berlinerin erzählt".






Dienstag, 6. Januar 2026

Gelesen: "Filthy Rich Vampire" von Geneva Lee



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Titel: Filthy Rich Vampire
Autorin: Geneva Lee
Reihe: Filthy Rich Vampires, Band 1
Verlag: Estate Books
ASIN: B09WJ9PSH1
Veröffentlichung: 24. Mai 2022
429 Seiten
eBook
Preis: 2,99 €


Klappentext:
Julian Rousseaux has a problem. He’s single, and for the world’s wealthiest vampires, the social season is about to begin. Julian would rather stake himself than participate in the marriage market. But as the eldest eligible Rousseaux, he’s expected to find a wife before the season ends―whether he likes it or not.
When cellist Thea literally stumbles into his life at a gala, he knows she's the last person he could ever fall in love with. She's too innocent, too kind, and way too human. But now that she knows about his world, she's also a walking target. She needs protection. He needs a fake girlfriend to discourage overzealous vampire matchmaking.
So, Julian makes Thea an irresistible offer: pretend to be his lover and he’ll change her life. For one year, they’ll attend the season’s social events together in exchange for his protection and a way out of her mother’s crippling medical debt.
She can’t say no. But the vampire world is impossibly decadent and darker than Thea ever imagined, and Julian’s filthy rich vampire family wants her out of the way. But with each moment they share, new dangers emerge: a desire as forbidden as their stolen touches, an awakening of a long-dead heart, and secrets that could tear them both apart.

Meine Meinung:
Die Geschichte beginnt sehr vielversprechend: Ein Vampir, der seit 1984 fast 40 Jahre geschlafen hat, wacht auf und muss sich in der heutigen Welt zurechtfinden. Als er die Zusammenfassung der politischen Ereignisse liest und denkt: "How did that moron get elected? Or that moron???", musste ich laut lachen. Er kennt kein Internet, keine Smartphones, kein Social Media und seine Umgangsformen sind auch etwas angestaubt. Das fand ich alles wirklich unterhaltsam. Aber leider ging es sehr schnell nur noch um die On-Off-Beziehung mit Thea. Sie lieben sich und können nicht ohne einander leben. Ach nein, sie hassen sich und wollen sich nie wieder sehen. Dass Thea so emotional übersteuert ist, wundert mich bei der Story nicht. Aber bei einem 900 Jahre alten Vampir überrascht es mich schon, dass er ständig explodiert und Leuten wortwörtlich den Kopf abreißt. Er erklärt Thea auch nichts und sie traut sich nicht zu fragen. Nicht einmal, was mit seiner Schwester passiert ist. Außerdem finde ich die Regeln dieser Welt unlogisch. Angeblich können Vampire nur mit Hexen Nachkommen zeugen. Aber Julians Eltern sind beide Vampire. Und man ist lebenslang an denjenigen gebunden, an den man die Unschuld verliert und umgekehrt. Aber die Vampire leben nicht monogam, sondern leben sehr offene Beziehungen oder gehen erst gar keine ein. Die erotischen Passagen fand ich seltsam distanziert. Er wirkte, als ob die Autorin da gern sehr leidenschaftliche Aktionen beschrieben hätte, aber nicht wusste, wie. Dass die Vampire extrem reich sind, finde ich symbolisch sehr gut, aber es wird leider kein Stück kritisiert. Thea fühlt sich einfach nur klein und hat Angst, nicht mithalten zu können. Aber dass Leute, die solche Vermögen anhäufen, für die große Armut in der Welt, für den Aufstieg von Populisten und Autokraten sowie für den Klimawandel verantwortlich sind, wird nicht reflektiert.
Der Roman ist der Auftakt zu einer Serie und er endet mit einem Cliffhänger. Ich werde die Reihe trotzdem nicht weiterlesen.

Tipp:
Die ersten 34 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe.



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