Sonntag, 22. März 2026

Not all men...

Wenn Frauen über Misogynie, Femizide usw. reden, gibt es bei Männern drei typische Antworten.

1. "Ich bin einer von den Guten."

Woran erkennt man das?

Hilfst du Frauen, die in deiner Gegenwart beleidigt, betatscht, erniedrigt, deren Körper ungefragt kommentiert werden? 

Sagst du deinen Kumpels klar und deutlich, dass misogyne Sprüche das Ende eurer Freundschaft sind?

Sagst du in der Werkstatt, dass der Kalender an der Wand Frauen objektifiziert?

Ja? Dann lass uns Freunde sein. Nein? Dann bist du keiner von den Guten!


2. Not all men

Klar gibt es da verschiedene Gruppen:

  • Täter. Müssen wir nicht diskutieren. Täter sind schuldig.
  • Männer, die keine aktiven Täter sind, aber vom System profitieren und daran nichts ändern wollen. Mit schuldig.
  • Männer, die sich nicht trauen, gegen Frauenhass anzugehen aus Sorge, Privilegien zu verlieren. Mit schuldig.
  • Männer, die das alles Schei§e finden, aber tatsächlich Angst vor Gewalt haben, wenn sie versuchen, das System zu bekämpfen. Sie sind Opfer.
  • Männer, die das System tatsächlich bekämpfen. Das sind Helden.

Wenn Du sagst: "Not all men", zu welcher Gruppe gehörst Du dann?

3. Was soll der Männerhass?

Hasse ich Männer, wenn ich meinen Vater hasse, der meine Mutter geprügelt und gedemütigt hat? 

Wenn ich meinen Exfreund hasse, der Sprüche wie "Frau am Steuer, ungeheuer" normal fand und wenn ich das kritisiert habe, mich als humorlos bezeichnet hat? 

Wenn ich den Exfreund meiner Mutter hasse, der in seiner Wut nachts die Stereoanlage so laut aufgedreht hat, dass mir im Kinderzimmer die Ohren weh taten?

Wenn ich Merz hasse, der 1997 dagegen war, dass die Vergewaltigung in der Ehe als Straftat gesehen werden muss?

Wenn ich Putin hasse, weil er nicht nur das ukrainische Volk und das russische Volk, sondern die ganze Welt terrorisiert?

Wenn ich Epstein hasse, weil er mit dem Missbrauch von Kindern  Geld verdient hat?

Wenn ich Trump hasse für den Hass, den er verbreitet und für einfach alles, was er sagt und tut?

Wenn ich alle Politiker hasse, die ihre Macht missbrauchen, anstatt Verantwortung zu übernehmen und die Welt im Rahmen ihrer enormen Möglichkeiten besser zu machen?

Wenn ich Politiker hasse, die noch immer am §218 StGB festhalten, obwohl die Mehrheit in Deutschland für die Abschaffung ist und obwohl Kanada zeigt, dass das sinnvoll ist?

Wenn ich Ärzte hasse, die mich begrapscht und/oder meinen Körper ungefragt kommentiert haben?

Wenn ich all die Lehrer und Dozenten hasse, die meine Leistungen mit dem Zusatz "für ein Mädchen" bzw. "als Frau" abgewertet haben?

Wenn ich es hasse, dass ich von klein auf gewarnt wurde, nicht mit fremden Männern mitzugehen, nicht allein in den Park zu gehen, nie zu fremden ins Auto zu steigen, nie mein Glas unbeaufsichtigt zu lassen, mich nicht zu aufreizend anzuziehen, nicht zu aufreizend zu tanzen, nicht meine langen Haare schwungvoll über die Schulter zu werfen?

Wenn ich es hasse, wie mir männliche Gesprächspartner permanent auf die Brüste starren, selbst wenn ich einen weiten, dicken Winterpullover oder einen zugeknöpften, locker sitzenden Laborkittel trage?

Das sind doch alles Einzelfälle. 
Also hasse ich diese Männer alle einzeln, aber NICHT ALLE MÄNNER. 
Oder könnte es doch ein System sein, das ich hasse? 
Aber dann sind alle Männer das Problem.
Und dann hasse ich alle Männer. Nur nicht die Helden und die Opfer.

Gelesen: "The Maid's Secret" von Nita Prose




Titel: The Maid's Secret
Autorin: Nita Prose
Reihe: Molly the Maid, Band 3
Verlag: Ballantine Books
Veröffentlichung: 08.04.2025
352 Seiten
eBook
ISBN 9780593875421


Klappentext:
Molly Gray’s life is about to change in ways she could never have imagined. As the esteemed Head Maid and Special Events Manager of the Regency Grand Hotel, two good things are just around the corner—a taping of the hit antiquities TV show Hidden Treasures and, even more exciting, her wedding to Juan Manuel. 
When Molly brings in some old trinkets to be appraised on the show, one item is revealed to be a rare and coveted artifact worth millions. Molly becomes a rags-to-riches sensation, and a media frenzy swirls as she prepares to sell her priceless treasure. Then, on auction day, the treasure suddenly vanishes. and Molly and her friends find themselves at the center of the boldest art heist in recent memory. 
But the key to this mystery lies in the past, in a long-forgotten diary written by Molly’s Gran. For the first time ever, Molly learns about her grandmother’s secrets: how she was born into a wealthy family and fell head-over-heels in love with a young man her parents deemed below her. As fate would have it, Gran’s greatest love was someone Molly knows quite well.

Meine Meinung:
Achtung, vor diesem Buch muss man die vorherigen Bände der Reihe gelesen haben, sonst versteht man vieles nicht. Endlich erzählt Mollys Großmutter ihre Geschichte. Das ist sehr berührend und man versteht vieles besser. Das Ende klingt ein wenig, als ob die Reihe jetzt abgeschlossen wäre, aber ich könnte mir vorstellen, dass die Autorin trotzdem noch weitere Bände schreibt. Ich mag Mollys Charakter und das Setting im Hotel.

Tipp:
Leseprobe und Hörprobe gibt es beim Verlag.


Donnerstag, 19. März 2026

Gelesen: "Frisch ermittelt: Der Fall Hartnagel" von Cornelia Kuhnert und Christiane Franke




Titel: Frisch ermittelt: Der Fall Hartnagel
Reihe: Ein Heißmangel-Krimi, Band 3
Autorinnen: Cornelia Kuhnert und Christiane Franke
Erscheinungstermin: 01.10.2024
288 Seiten
Verlag: Rowohlt E-Book
ISBN: 978-3-644-02015-3
Preis: 9,99 €


Klappentext:
An einem Spätsommertag liegt der angesehene Arzt Doktor Rudolf Hartnagel, Leiter des Kindererholungsheims in der Evenburg, tot im Klinikgarten. Durch die blau gefärbte Zunge wird rasch eine Zyankali-Vergiftung diagnostiziert. Die Polizei geht von Suizid aus und will den Fall zu den Akten legen. Doch Heißmangel-Betreiberin Martha Frisch gibt sich damit nicht zufrieden und geht der Sache nach. Gemeinsam mit Karl, dem Volontär der Leeraner Zeitung, kommt sie den verborgenen Seiten in Hartnagels Leben auf die Spur, die von Homosexualität in biederen Zeiten bis hin zu NS-Euthanasievorwürfen reichen. Eins ist klar: Umgebracht hat Hartnagel sich nicht. Und jemand ist mit seinem Racheplan längst noch nicht fertig.

Meine Meinung:
Zuerst fällt auf, dass das Coverbild nicht zu den ersten beiden Bänden passt. Ein Blick ins Impressum zeigt: Da wurde eine andere Agentur beauftragt, die sich offensichtlich nicht am Stil der vorangegangenen Teile orientieren wollte. Nunja.
Andere Rezensent'innen loben, wie gut über die damalige Zeit recherchiert worden sei. In weiten Teilen stimmt das auch. Aber ein paar Fehler haben sich dennoch eingeschlichen:
1. Der inzwischen zum Glück abgeschaffte unsägliche Paragraph 175 über sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern stand nicht im BGB, sondern im StGB. Es war eine Straftat!
2. "Pling" machen Schreibmaschinen nicht etwa beim Zeilenwechsel des Schlittens, sondern fünf Zeichen vorher, damit man weiß, dass man ein neues Wort besser in die nächste Zeile schreibt oder ein langes Wort ggf. jetzt trennen muss.
3. Die Ausstrahlung von "Die Tote im Hafenbecken" der damals beliebten TV-Serie "Stahlnetz" fand am 22. August statt. Es muss sich um die Erstausstrahlung handeln, sonst würde Karl darüber keinen Zeitungsartikel schreiben. Allerdings planen Martha und Annemieke eine Fahrt nach Bremerhaven, um die Ankunft von Elvis Presley zu sehen, die entsprechend den Zeitangaben im Roman am 3. September hätte stattfinden müssen, allerdings in Wirklichkeit am 1. Oktober stattfand. Das lässt sich alles mit wenigen Klicks recherchieren. Natürlich kann man als Autor'in solche Dinge verändern, das nennt sich künstlerische Freiheit. Aber dann muss man darüber in einem Nachwort aufklären. Und das war hier nicht der Fall.
4. Ein rein sprachlicher Fehler: "Meines Wissens nach war sie nicht verheiratet." Urgs, bitte entscheiden Sie sich zwischen "Meines Wissens war sie nicht verheiratet" oder "Meiner Meinung nach...". Aber bitte nicht kombinieren. Das ist so furchtbar wie die Wortverhunzung "zumindestens".
Das alles hätte ein gutes Lektorat/Korrektorat bemerken können. Oder bin ich die einzige, der solche Fehler auffallen?
Kommen wir zum Inhalt: Der Fall ist sehr interessant, allerdings wird das Thema "Misshandlung von Kindern in sogenannten Erholungsheimen" zurzeit überall verwendet. Ja, es ist wichtig, diese Verbrechen aufzuarbeiten. Aber nach dem x-ten Krimi darüber habe ich davon jetzt wirklich genug gelesen. Schade, dass die Autor'innen nicht stattdessen den Schwerpunkt auf die Euthanasie-Fälle gelegt haben.
Ich wusste leider schon nach der Hälfte des Buches, wer die Morde begangen hat und warum. Zu lesen, dass viele Straftaten am Ende nicht verfolgt werden, ist kaum zu ertragen. Und was Holger genau für ein Problem mit einer bestimmten Person hat, wird nicht aufgeklärt.
Sehr eindringlich ist mal wieder, wie sehr die Sprüche aus der Nazizeit noch immer bemüht werden: Väter sollen keine Zärtlichkeiten mit ihren Kindern austauschen, die verweichlichen sonst. Sie sollen schließlich "zäh wie Leder, hart wie Krupp-Stahl" werden. Da wird mir wirklich übel. Und es gibt ja viele, die heute noch so denken und reden. Beobachtet mal, wie Männer andere Menschen umarmen, egal ob andere Männer, ihre Kinder, ihre Schwestern oder ihre Mütter. Spätestens nach drei Sekunden ist Schluss. Und damit es bloß nicht zu zärtlich ist, wird immer dreimal fest auf den Rücken des anderen geklopft. Da ist noch viel zu tun! 
Besonders traurig fand ich die Bemerkung der Hauswirtschafterin:
"Na hören Sie mal, dem ist die Frau gestorben. Da soll ein Mann wohl traurig sein. Immerhin hat sie ihn versorgt, seine Wäsche gemacht, sein Essen gekocht, das musste er nun alles allein machen." Dass der Mann seine Frau vielleicht geliebt hat und sie vermisst, kommt ihr gar nicht in den Sinn. Eine Ehefrau ist in ihren Augen offenbar nur eine Kombination aus Putzfrau und Köchin.
Interessant fand ich, wie viel Jugendliche und junge Erwachsene damals am Nachmittag und an den Wochenenden unternommen haben: den Eltern auf der Baustelle helfen, im Geschäft der Eltern mitarbeiten, die Oma unterstützen, in der Kirchengemeinde beim Frühschoppen Getränke ausschenken,...
Vielleicht tue ich der heutigen Jugend Unrecht, aber mir scheint, alle starren nur noch auf Bildschirme und füllen damit ihre Freizeit komplett aus.
Insgesamt hat mir dieser Krimi gut gefallen, wenn auch nicht so gut wie die ersten beiden. Hoffentlich geht es bald weiter, denn Heißangelbetreiberin Martha Frisch hat noch eine Rechnung offen!

Tipp:
Die ersten 30 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe.

Montag, 16. März 2026

Gelesen: "Cyberdorf" von Bernd Hünermann





Titel: Cyberdorf
Reihe: Neugeburt 2.0, Band 1
Autor: Bernd Hünermann
Veröffentlichung: 11. November 2024
Taschenbuch
Preis: 12,99 €
202 Seiten
Verlag: Selfpublishing


Klappentext:
2033: Der dritte Weltkrieg wird im Cyberspace ausgetragen. Durch Enddigitalisierung ist der Gegner wehrlos. Unter der Führung des narzisstischen Psychopathen Gabriel schaltet sich das Kartell, ein internationales Industriekonsortium, in den Krieg der politischen Mächte ein.
Der Krake ist ein geheimes, unterirdisches, deutsches Cyber-Abwehrzentrum, auf dem zur Tarnung ein oberirdisches Permakultur-Projekt betrieben wird. Gerald von Greifen kämpft im Kraken mit deutschen IT-Wissenschaftlern nicht nur gegen den äußeren Feind, sondern auch gegen Spione in den eigenen Reihen.
Das Kartell gewinnt den Krieg und Gabriel übernimmt die politische Herrschaft über alle Nationen. Er festigt seine Macht mit einer neuen, digitalen Welt.

Meine Meinung:
Eigentlich ist das eine spannende Geschichte mit wichtigen Themen. Aber der sachlich nüchterne Ton erzeugt solch eine Distanz zum Geschehen, dass es sich liest wie eine Nebenkostenabrechnung. Selbst als Menschen vom Balkon geworfen oder erschossen werden, hat es mich leider nicht berührt. Sprachlich hat es auch ein paar irritierende Macken, z.B. die bereits im Klappentext erwähnte "Enddigitalisierung" ist wohl eher eine "Entdigitalisierung". Das Buch ist der Auftakt einer neunteiligen Reihe, aber obwohl es mit einem Cliffhanger endet, werde ich die Reihe nicht weiter lesen.

Freitag, 13. März 2026

Gelesen: "The Mysterious Affair Of Judith Potts" von Robert Thorogood





Titel: The Mysterious Affair Of Judith Potts
Reihe: The Marlow Murder Club Mysteries, Band 5
Autor: Robert Thorogood
Veröffentlichung: 15.01.2026
eBook
ISBN: 9780008567408
320 Seiten
Preis: 16,31 €


Klappentext:
A killer is on the loose. The bodies are piling up. And Judith is hiding a deadly secret ... Someone from Judith's past has turned up in Marlow and is stirring up trouble. With all the murders that the Marlow Murder Club have had to solve and her work setting crosswords, Judith's been too busy to give her old life much thought. But now it's knocking on her door and won't go away. On top of that, Marlow's celebrities are getting murdered! When a footballer and a thriller writer are found dead, Judith, Suzie, and Becks must untangle a web of scandal to find the killer. But with Judith keeping secrets, the Marlow Murder Club find themselves drifting apart. The pressure is on in more ways than one ... Can they find the killer and help Judith in time, or could this be the end of the Marlow Murder Club?

Meine Meinung:
Ich mag dieses Trio und das Setting. Die Todesfälle fand ich dieses Mal allerdings sehr verwirrend. So viele Personen, so viele Verbindungen, so viele Lügen und Halbwahrheiten...
Für mich stand die Geschichte von Judith Potts im Mittelpunkt. Der mysteriöse Tod ihres Mannes vor vielen Jahrzehnten wurde in den vorherigen Büchern ja bereits mehrfach erwähnt und hier erfahren wir endlich, was damals wirklich passiert ist. Dass Judith immer gern mit Rätseln arbeitet, mag ich sehr. Allerdings hätte ich hier gern mitgeraten, als Becks und Suzie die Hinweise finden mussten.

Tipps:
Die ersten drei Kapitel gibt es als kostenlose Leseprobe.
Das Hörbuch ist bei Harper Audio erschienen. Eine kostenlose Hörprobe konnte ich bisher leider nicht finden.



Dienstag, 10. März 2026

Abgebrochene Bücher




1. "The Santa Suit" von Mary Kay Andrews
Die Figuren sind extrem flach. Ich kann nicht einmal genau sagen, ob mir die Protagonistin unsympathisch oder einfach egal ist.



2. "Zwischen Mord und Ostsee - Nasses Grab" von Thomas Herzberg
Küstenkrimis sind genau mein Ding und das Cover sah vielversprechend aus. Aber das Buch liest sich wie eine Seifenoper über eine Kommissarin, ihre Schwester, ihre pubertierende Nichte, ihren Exschwager, mit dem sie zusammenarbeiten muss und einen Kollegen, der einst von ihr einen Korb bekommen hat. Ab und zu versuchen sie auch zu ermitteln. Als die Mutter der Toten jammerte: "Mein Junge ist ein guter Junge. Das mit der Vergewaltigung damals hat er doch gestanden. Er ist ein guter Junge!" habe ich abgebrochen.



3. "Was wir Glück nennen" von Jan Steinbach
Eigentlich mag ich historische Romane mit feministischem Thema. Aber diese Geschichte kommt einfach nicht voran, sie zieht sich wie Kaugummi. Immer wieder werden Andeutungen gemacht, ob der Urgroßvater damals wirklich der begnadete Fachmann und Künstler war. Nein, seine Tochter war's. Sie hat sich erdreistet, mehr Talent zu haben als ihr Vater und ihr Bruder zusammen. Immer diese ungehorsamen Weibsbilder...
Die Story an sich ist nicht schlecht, aber Tempo, Schreibstil und Dramaturgie hätte man anders gestalten müssen.



Samstag, 7. März 2026

Gelesen: "Bonjour Tristesse" von Françoise Sagan



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Titel: "Bonjour Tristesse"
Autorin: Françoise Sagan
Verlag: Ullstein
Übersetzung: Rainer Moritz
Nachwort: Sibylle Berg
eBook
Preis: 9,99 €
ISBN 9783843716741
185 Seiten
Veröffentlichung: August 2017
Erstveröffentlichung: 1954


Klappentext:
Cécile ist ein launischer Teenager, scharfsinnig, egoistisch, manipulativ – und dazu verdammt, den Sommer mit ihrem eitlen Vater und seiner jungen, etwas einfältigen Geliebten Elsa in einem Haus an der Côte d’Azur zu verbringen. Zunächst jedoch gelingt es Cécile, die Erwachsenen gegeneinander auszuspielen und den Aufenthalt nach ihrem Geschmack zu gestalten: in herrlicher Leichtigkeit und Freizügigkeit. Bis plötzlich die kluge Anne auftaucht, eine Freundin ihrer verstorbenen Mutter, und die sommerliche Idylle mit erzieherischer Strenge zu zerstören droht. Als der Vater Elsa verlässt und Anne heiraten will, schmiedet Cécile einen Plan – mit tragischen Konsequenzen.

Meine Meinung:
Als ich so alt war wie Cécile, empfahl mir meine Mutter dieses Buch, denn es war damals ihr Lieblingsbuch als Teenager bzw. Backfisch, wie man damals noch sagte, gewesen. Aber es war mir zu schnörkelig geschrieben, zu intellektuell. Jetzt habe ich es endlich gelesen. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich an die auch in der neuen Übersetzung noch immer sehr schnörkelige Sprache gewöhnt habe. Es ist interessant, es jetzt als Mutter von Teenagern zu lesen. Die Gedanken und Empfindungen von Cécile kenne ich aus meiner eigenen Jugend. Ich finde auch nicht verwerflich, dass sie so egoistisch, manipulativ und intrigant ist. Ich kann mir gut vorstellen, wie groß damals die Empörung war, weil ein Mädchen es gewagt habe, ein Buch über solch ein Mädchen zu schreiben, das über ihren eigenen Körper verfügen und damit Spaß haben will. Da war Françoise Sagan ihrer Zeit weit voraus und wirklich mutig oder vielleicht auch einfach unerschrocken, wie man es nunmal in der Jugend ist. Aber ich persönlich finde viel schlimmer, wie sich der Vater im Buch verhält, denn er ist mindestens genauso egoistisch, dazu noch verantwortungslos, rücksichtslos und rückgratlos. Cécile ist noch ein Kind, sie kann die Konsequenzen ihres Handelns noch nicht komplett einschätzen. Er aber ist Vater und erwachsen und muss seine Tochter auf das Leben vorbereiten, mit ihr über Geld sprechen und ihr eine Berufsausbildung ermöglichen. Aber stattdessen verlässt er sich darauf, dass ihre Schönheit dafür sorgen wird, dass sie immer einen Mann findet, der ihr Leben finanziert. Er belügt und betrügt seine Partnerin, ist aber selbst rasend eifersüchtig, weil seine Exfreundin es wagt, einen neuen Liebhaber zu haben. Dass das nicht für Empörung gesorgt hat, das finde ich ungeheuerlich!

Tipps: 
Die ersten 30 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe.
Das Hörbuch ist bei Hierax Medien erschienen und es gibt eine kostenlose Hörprobe.




Mittwoch, 4. März 2026

Abgebrochene Bücher


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1. "Die Möglichkeit von Glück" von Anne Rabe

Wichtige Themen, aber ich komme mit dem Schreibstil nicht klar. Wen meint die Ich-Erzählerin, wenn sie "du" sagt? Sich selbst, im Versuch sich vom Erlebten zu distanzieren? Sie beschreibt viele Momentaufnahmen aus ihrer Kindheit, was der Opa erzählt hat, von DDR-Geburtstag, Wiedervereinigung, Neonazis. Viele kurze Blitzlichter reihen sich aneinander. Dabei bleibt vieles nur sehr zaghaft angedeutet, z.B. die Misshandlung durch die Mutter. Nur um im nächsten Moment grausam ausführlich zu erzählen, wie sie versucht, sich mit Hilfe ihrer besten Freundin selbst den Arm zu brechen. Da habe ich die Lektüre abgebrochen.


https://www.herabooks.com/static/ee377e285d2de489efa7f225f8fa53d3/eee42/864180-wide.webp

2. "The Lonely Hearts Lido Club" von Charlie Lyndhurst

Die Idee mochte ich sehr, aber der Schreibstil ist leider gar nicht mein Fall. Gabriella ist mir auch nicht sympathisch.



3. "The Picture of Dorian Gray" von Oscar Wilde

Ich hatte Lust mal wieder einen Klassiker zu lesen und dieser Titel war im Advent in irgendeinem Booktube-Adventskalender empfohlen worden. Ich verstehe, dass der Schreibstil von vielen als wunderbar  empfunden wird. Und ich verstehe auch die Botschaft hinter der Story. Aber das ist es nicht wert, diese Aneinanderreihung von misogynen und antisemitischen Ergüssen ertragen zu müssen. Das ist einfach nur ekelhaft!



Sonntag, 1. März 2026

Gelesen: "Jünger geht immer - (K)ein Liebes-Roman" von Ellen Berg


Jünger geht immer!

Coverbild vom Verlag zur Verfügung gestellt


Titel: Jünger geht immer - (K)ein Liebes-Roman
Autorin: Ellen Berg
Verlag: Aufbau
eBook
Preis: 10,99 €
Veröffentlichung: 13.05.2025
ISBN 978-3-8412-3781-1
384 Seiten


Klappentext:
Anne kriegt die Krise. Da hat sie monatelang die Goldene Hochzeit ihrer Eltern vorbereitet, doch bei der Feier verkündet ihre Mutter, dass sie sich scheiden lässt. Altersstarrsinn oder Late Life Crisis? Als die Mutter dann auch noch einen deutlich jüngeren Freund präsentiert, wendet sich Anne an Tom, den Sohn des neuen Lovers – der jedoch kein Problem damit hat. Prompt bringt eine überraschende Versuchung Annes eigenes Eheleben durcheinander, und sie muss sich fragen: Ist die Liebe zu einem jüngeren Mann wirklich so abwegig?

Meine Meinung:
Ellen Berg ist wirklich ein Phänomen. Manche ihrer Bücher breche ich nach wenigen Seiten ab. Manche machen mich wütend. Manche sind ganz nett. Und ab und zu bin ich hingerissen. Dieser Roman hier hat mich mal wieder absolut begeistert. Zwar hat er keinen besonderen Tiefgang, die Figuren sind relativ flach und vieles an der Story ist vorhersehbar. Aber trotzdem ist es eine mutige, ehrliche Geschichte. Es gibt gute Ehen und schlechte Ehen. Es gibt Hallodris, Betrüger und Blender aber auch grundehrliche Männer. Es gibt unerschütterliche Freundschaften und Altlasten, von denen man sich trennen muss. Und manchmal entpuppt sich der vermeintlich größte Feind als bester Verbündeter. Während die Kombination aus Sugardaddy und Trophywife allgemein akzeptiert und verstanden wird, ist es umgekehrt eher selten und meist anrüchig, wenn sich ein jüngerer Mann und eine ältere Frau ineinander verlieben. Im Zuge der Male Loneliness Epidemic sollten allerdings Männer hier vielleicht endlich ihre Vorurteile überwinden, wenn sie nicht allein bleiben wollen.

Tipps:
Die ersten 57 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe. Das Hörbuch ist bei Aufbau-Audio erschienen und es gibt eine kostenlose Hörprobe.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Gelesen: "Das Pensionat am Holstentor - Sturmschwestern" von Anna Perbandt


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Titel: Sturmschwestern
Autorin: Anna Perbandt
Reihe: Das Pensionat am Holstentor, Band 2
Verlag: Rowohlt
eBook
Preis: 9,99 €
Veröffentlichung: 17.10.2023
ISBN: 978-3-644-01566-1
400 Seiten


Klappentext:
Im renommierten Pensionat am Holstentor sind Nora, Agnes und Lotte nur noch zu dritt, nachdem Fanny den viel älteren Kaufmann Jan Riklof geheiratet hat. Doch die Ehe steht wie befürchtet unter keinem guten Stern. Grafentochter Nora bekommt ihre Jugendliebe, den Hafenarbeiter Karl, nicht aus dem Kopf. Und auch ihr Bruder, Graf Henry, und die junge Lehrerin Gesche Petersen lieben sich heimlich. Doch gesellschaftliche Konventionen verhindern das Glück beider Paare. Nach einer rauschenden Ballnacht überschlagen sich die Ereignisse, und sowohl Nora als auch Gesche müssen alles riskieren, um ihre große Liebe nicht zu verlieren. Ein Happy End scheint beinahe greifbar. Doch dann schlägt das Schicksal unbarmherzig zu...

Meine Meinung:
Trigger-Warnung: Tod nach Abtreibungsversuch, Gewalt, Selbstmord.
Der zweite Teil dieser Dilogie ist deutlich düsterer als der erste. Weshalb manche Rezensenten hier von "cozy" oder "leichter, angenehmer Unterhaltung" schreiben, ist mir ein Rätsel. Ein Drama jagt das nächste,  es bleibt die ganze Zeit spannend. Sehr oft habe ich gedacht: Zum Glück haben sich inzwischen viele Dinge geändert. Das Ende finde ich gut gelungen, vor allem was Agnes betrifft. Allerdings hätte ich erwartet, dass Gesche vielleicht noch mal gezielte Tritte verteilt, z.B. gegen den Ehemann oder den Ingenieur. Und dass Henry danach zu ihr sagt: "Erinnere mich daran, dass ich dich nie verärgern darf." oder so. Und wie es nun mit der Schule und der Vorsteherin weitergeht, hätte mich auch interessiert.
Das Coverbild ist nett, hat aber wieder nichts mit dem Inhalt zu tun. 

Tipps:
Die ersten 40 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe. Das Hörbuch ist bei Argon erschienen und es gibt eine kostenlose Hörprobe. Kauft Bücher und Hörbücher bitte im Buchladen, damit es den noch lange gibt! Was nicht vorrätig ist, kann dort auch bestellt werden. Und wenn es schon online sein muss, dann bestellt bitte bei Ecolibri, dort werden vom Gewinn Bäume gepflanzt.



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