Titel: Blümerant
Autorin: Susanne Fröhlich
Reihe: Andrea Schnidt, Band 14
Verlag: Argon
Laufzeit: 7 Stunden 52 Minuten
Erscheinungstermin: 01.06.2026
ISBN: 978-3-7324-8843-8
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Preis: 15,95 €
Klappentext:
Andrea Schnidt landet ohne große Ambitionen und mit ihrem Mann Paul auf einem Kreuzfahrtschiff und schippert Richtung Nordkap. Alles nur, um ihrem Ex-Schwiegervater Rudi und seiner Liebsten Irene einen Gefallen zu tun. Schließlich handelt es sich um den letzten Wunsch von Irene. Dass auch noch ihr Ex und dessen Neue auf dem Schiff sein werden und Andrea dem All You can verfällt – geschenkt. Rudi verschwindet, und auch Enkelsohn Halvar sorgt für Aufregung.
Meine Meinung:
Achtung, der Klappentext passt nicht so ganz zum Hörbuch, zumindest zu der gekürzten Version. Denn der Ex und seine Neue sind gar nicht auf dem Schiff und Rudi verschwindet auch nicht. Kann sein, dass das beides heraus gekürzt wurde, aber in der ungekürzten Fassung dabei ist.
Die Geschichte beginnt wie oft: Andrea will es allen recht machen, kommt sich mit ihrer Taktik unheimlich raffiniert vor, fällt damit jedoch am Ende auf die Nase. Aber genau das macht sie ja so sympathisch, dass sie halt auch Fehler und Schwächen hat. Unsympathisch finde ich hingegen ihren Mann, der ständig mehr oder wenige subtile Andeutungen macht, sie sei zu dick. Aber wenn sie ihn zur Rede stellt, streitet er das ab und nennt sie humorlos. Welche Frau kennt das nicht?
Auch sein Verhalten, nur nach seinen eigenen Bedürfnissen zu gehen, also abends noch an die Bar, morgens dann schön ausschlafen, während sie abends das Kind ins Bett bringt und sich seit dem Morgengrauen wieder kümmern muss, ist typisch. Das Mittagessen will er ausfallen lassen, weil "WIR ja so spät gefrühstückt haben". Klar, sein Erleben ist allgemeingültig. Später wird er aber plötzlich handzahm, entschuldigt sich und bringt sich viel mehr in die Enkelbetreuung ein. Da hätte ich gern gewusst, wie es genau dazu kam. Vielleicht ist das auch der Kürzung zum Opfer gefallen?
Die große Überraschung am Ende war mir von Anfang an klar.
Die Darstellung der demenzkranken Mutter ist leider etwas unrealistisch. Einerseits heißt es, die Krankheit wäre schon so stark fortgeschritten, sie würde gar nichts mehr begreifen. Aber sie erkennt noch ihre Tochter, fragt nach Kuchen und redet in ganzen Sätzen. Da habe ich damals bei meiner Oma ganz andere Dinge erlebt. Aber vielleicht traut sich die Autorin nicht, diese Krankheit ehrlich zu beschreiben oder das kommt dann in späteren Bänden. Man fragt sich ja auch, wie alt Rudi und ihre Mutter noch werden sollen?
Allgemein reizt mich ja das Thema Kreuzfahrt so gar nicht. Insbesondere das System mit unterschiedlichen Klassen, bei denen die einen Menschen Privilegien haben, die sie den anderen vorführen dürfen. Macht man das, damit die einen sich noch privilegierter fühlen oder damit die anderen sich schlecht fühlen? Außerdem weiß man doch, was für eine riesige Umwelt- und Klimasünde solche Schiffe sind. Auch bei Walfleischprodukten usw. bin ich ganz auf Pauls Seite. Wie heuchlerisch kann man sein, dass man einerseits Wale im Meer beobachten will, aber andererseits diese Tiere isst? Konsequent wäre hier, wenn man direkt die Waljagd beobachten oder daran teilnehmen könnte. Das lässt sich auch auf andere Reisen übertragen: Urlaub auf dem Bauernhof inklusive Abenteuer im Schlachthof. Wer diese Ideen grausam findet, sollte mal über den eigenen Fleischkonsum nachdenken.
Aber gut, gleich zu Beginn des Buches gesteht die Protagonistin, dass sie so viel Rückgrat hat wie eine Qualle. Das erklärt halt auch alles, was sie so alles tut, von Kreuzfahrt über Walfleisch bis hin zum Ausrasten am Büffet. Am Ende können sich die meisten Leser'innen wohl gut mit ihr identifizieren. Denn wer will nicht gern die Sau raus lassen, ohne am Ende die Rechnung zahlen zu müssen?
A propos Ende, da hat mich Irene wirklich überrascht. Sie hat Würde, Stolz und Raffinesse, man sollte sich wirklich nicht mit ihr anlegen. Das hat mir gut gefallen.
Tipps:
Es gibt eine kostenlose Hörprobe.
Das Buch ist bei Knaur erschienen. Es gibt eine kostenlose Leseprobe, die deutlich länger ist.

