Sonntag, 18. Oktober 2015

Maschenware. Oder: Eine Liebeserklärung an das Internet




Ich nähe gern Kleidung aus Jersey, Sweat und Strickstoffen. "Knits" nennt man diese Stoffe auf englisch, auf deutsch heißen sie "Maschenware", aber mir erscheint das Wort nicht wirklich gebräuchlich. Jedenfalls sind diese Stoffe einerseits super, weil sie dehnbar sind, sodass die daraus genähte Kleidung bequem ist, nicht einengt, trotzdem körpernah geschnitten sein kann und sogar mitwächst, wenn man z.B. schwanger ist oder sonstige Gewichtsschwankungen hat. Andererseits ist Maschenware nicht so leicht zu verarbeiten, gerade wegen dieser Elastizität, denn der Stoff gibt nach, wenn man beim Nähen dran zieht und dann wellt er sich. Außerdem rollen sich bei manchen Materialien die Ränder oder sie pillen nach einiger Zeit. Und wenn es ganz blöd kommt, hat man viel zu viel Dehnbarkeit oder viel zu wenig, sodass die Kleidung am Ende doch nicht so aussieht, wie man sich das vorgestellt hat.

Im Laufe der letzten 10 Jahre habe ich über Maschenware viel gelernt, einerseits aus meinen eigenen Fehlern, andererseits mit Hilfe des Internet. Es war für mich damals (ungefähr 2006) eine echte Offenbarung, dass es Foren, Blogs und Youtube-Videos über das Nähen gibt. 
Der MeMadeMittwoch und die Sew Alongs in der Nähnerd-Gemeinschaft sind eine unbezahlbare Inspirationsquelle für mich, auch wenn ich beim MMM nur gelegentlich mitmache und bei Sew Alongs bisher nur ganz selten.
Der Zwillingsnadelpodcast und Handgemacht waren lange Zeit die einzigen deutschsprachigen Podcasts, in denen das Nähen von Kleidung gelegentlich eine Rolle gespielt hat. Ich habe sie immer wieder begeistert angehört. Die TV-Sendung "The Great British Sewing Bee" ist jedes Jahr wie eine Droge für mich, auf jede Folge habe ich ungeduldig und sehnsüchtig gewartet, um sie dann in den folgenden Tagen immer wieder anzusehen, bis ich wirklich jeden Handgriff gesehen und jeden Dialog verstanden hatte. Ich bin auch schon sehr gespannt auf die deutsche Adaption "Geschickt eingfädelt - Wer näht am besten?", die Anfang November startet.
Dann kam der Podcast von Nahtzugabe5cm, bei dem Muriel in jeder Folge eine andere Nähnerd (oder ist der Nähnerd grundsätzlich männlich? Oder neutral? Das Nähnerd? Oder ist es eine Nähnerdin???) interviewt und der die Welt des Nähens für mich um noch eine Dimension erweitert hat.
Aber je mehr Dimensionen es gibt bzw. je mehr Information verfügbar ist, desto schwieriger wird es, die wirklich guten Tipps zu erfahren. Jetzt schlage ich den Bogen zurück zum Thema Maschenware: Colette Patterns ist eine vielseitige Platform, die Schnittmuster anbietet, ein kostenloses, monatliches, digitales Magazin über das Nähen namens Seamwork produziert und einen wöchentlichen Newsletter mit nützlichen Tipps namens Snippets herausgibt. Jetzt haben sie auch noch eine kleine, kostenlose Videoreihe über Maschenware produziert, die ich Euch wärmstens empfehlen möchte, ebenso den "Free Fabric Guide", also den kostenlosen Stoff-Wegweiser, den Colette als PDF anbietet. Ich zumindest habe daraus in kurzer Zeit sehr viel Nützliches erfahren, was ich vorher noch nicht wusste bzw. nie beim Kauf beachtet hatte. In Zukunft werde ich also nicht nur ein Feuerzeug mit zum Stoffmarkt nehmen, sondern auch an den Stoffrändern ziehen, die Maschenware kräftig rubbeln und meinen Finger hineinbohren. Hoffentlich mache ich mich damit nicht unbeliebt und bekomme Marktverbot...

Samstag, 17. Oktober 2015

Ich bin so furchtbar monogam...


Also in Bezug auf unsere Ehe ist das ja etwas Gutes.

Aber wenn es um meine Freizeit geht, nervt es mich. Wenn ich z.B. Bücher lese, dann will ich in jeder freien Minute lesen und habe keine Lust zu stricken, zu nähen oder Sport zu machen. Während eines Buches will ich unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht bzw. wie sie endet. Habe ich ein Buch ausgelesen, falle ich schnell in ein emotionales Loch und muss unbedingt sofort das nächste anfangen. Den Absprung schaffe ich eigentlich nur, wenn ich ein Buch lese, das sich als langweilig oder sonst irgendwie ärgerlich herausstellt, sodass ich die Lektüre abbreche. Da bin ich meist so frustriert, dass ich keine Lust habe, ein neues Buch anzufangen und mich lieber anderen Dingen zuwende. Manchmal greife ich sogar schon absichtlich zu Titeln, von denen ich vermute, dass sie mir nicht gefallen. Dumm nur, wenn sie dann doch toll sind. Naja, eigentlich ist es schön, aber den Absprung schaffe ich dann ja wieder nicht...

In letzter Zeit habe ich auch einfach sehr viele Gelegenheiten zum Lesen:

  • Wenn das große Kind um 7:40 Uhr Schule hat, während die Kita grundsätzlich erst um 8 Uhr öffnet. Das kleine Kind und ich haben immer jeder ein Buch dabei.
  • Beim Abholen der Kinder mittags.
  • Wenn das große Kind Judo-Training hat.
  • Beim Arzt im Wartezimmer.
  • Beim Reifenwechsel in der Werkstatt.
  • Wenn die Kinder beim Chor sind.
Ja, gelegentlich nähe ich auch mal was, aber zurzeit nur, wenn es wirklich nötig ist, also z.B. ein paar Loops für die Kinder, weil es draußen deutlich Herbst geworden ist. Ich stricke auch. Aber um diese Sachen im Blog zeigen zu können, muss ich sie fotografieren und dazu brauche ich Ruhe und ausreichend Tageslicht. Deshalb blogge ich zurzeit so viel über gelesene Bücher und gehörte Hörbücher.

Vielleicht könnt Ihr mich ja motivieren, endlich mal die Fotos zu machen und meine kreativen Werke hier zu zeigen. Was würde Euch interessieren?

  • genähte Kinderloops
  • gestrickte Kinderloops
  • gestrickte Kindermützen
  • gestrickter Loop für mich
  • gestrickter Snood für mich
  • gestricktes Schultertuch
  • gestrickte Handstulpen
  • diverse Upcycling-Projekte
  • kochen & backen (z.B. meine "Überraschungsschokolade" oder was ich so am "Mama-Tag" koche)

Heute zeige ich einfach mal einen Loop, den ich schon letztes Jahr gestrickt, aber immer noch nicht gebloggt habe:


(Klick macht das Foto größer.)

Er ist aus drei anonymen Garnen in mintgrün, taubenblau und silbergrau gestrickt.
Das Muster heißt "Honey Cowl", ist von Antonia Shankland und kostenlos bei Ravelry zu haben.

Also, schreibt mir in den Kommentaren, was ich als nächstes zeigen soll!
Wäre ja schade, wenn das hier nur noch ein Buch-Blog wäre.

Gelesen: "Mein zauberhaftes Café" von Jana Seidel


Coverbild freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt

Titel: Mein zauberhaftes Café
Autorin: Jana Seidel
Taschenbuch, Broschur
256 Seiten
ISBN: 978-3-442-47816-3
Preis: € 8,99 [D], € 9,30 [A], CHF 12,50
Verlag: Goldmann

Klappentext:
Alexandra ist Steuerberaterin, Kontrollfreak und mit ihrem geregelten Leben in Hamburg zufrieden. Doch dann verliert sie ihren Job und erfährt, dass ihr Freund fremdgeht. Als sie kurz vor ihrem 30. Geburtstag völlig überraschend das alte Café ihrer Tante Effie im Harz erbt, trifft sie eine verzweifelte Entscheidung: Sie nimmt das Erbe an. Es gibt nur einen klitzekleinen Haken – Alexandra hat keine Ahnung vom Backen. Zum Glück gibt es Effie, die sich noch längst nicht bereit fürs Jenseits fühlt. Als Geist zeigt sie Alexandra nicht nur, wie man süße Versuchungen zubereitet, sondern auch, wie man das Leben und die Liebe genießt ...

Meine Meinung:
Der Roman hält einerseits, was das Cover verspricht, nämlich Törtchen-Chick-Lit vom Feinsten, andererseits überrascht er, weil er nicht so klebrig süß daherkommt. Dabei nimmt er das eigene Genre sogar gelegentlich auf die Schippe. Die Heldin ist vor allem anfangs sehr spröde und sarkastisch. So rutscht die Geschichte nie ins Kitschige ab und es gibt immer wieder überraschende Wendungen, meist ins Komische.
Jana Seidel erzählt das inzwischen nicht mehr ganz neue Thema "Frau verliert plötzlich Job, Mann und Wohnung, ändert daraufhin ihr Leben radikal und stellt fest, dass sie vorher gar nicht glücklich war, jetzt aber dafür umso mehr" in einem interessanten Rhythmus. Der Stil erinnert mich dabei ein wenig an Jonathan Tropper (Statt Geburtstagstorte gibt es hier Plüschhandschellen und eine Kotz-Vase, da musste ich schallend lachen).
Gleichzeitig gibt es jeden Tag To-Do-Listen wie bei Bridget Jones. Allerdings habe ich da anfangs gedacht, die durchgestrichenen Punkte hätte die Heldin gestrichen, also nicht erledigt. Häkchen wären da vielleicht besser gewesen. (Es ist übrigens auch im echten Leben besser, erledigte Punkte abzuhaken, anstatt sie durchzustreichen. Nur mal so als Tipp am Rande.)
Die Geistertante erinnert ein wenig an Sophie Kinsellas "Twenties Girl", allerdings ist sie viel sympathischer. Und die Backaktionen mit ihr schmecken nach dem Film "Ratatouille".

Leider ist das Buch schlecht lektoriert:
  • Man erfährt relativ lange nicht, wie die Ich-Erzählerin heißt und wo sie wohnt. Erst auf Seite 19 erfahren wir den Nachnamen, auf Seite 21 den Vornamen und auf Seite 28 ist vom Segeln auf der Alster die Rede, auf Seite 31 werden die Harburger Berge bei Hamburg erwähnt, also lebt sie wohl in Hamburg. Ich habe kein Problem damit, wenn eine Geschichte in einem fiktiven Ort spielt oder wenn der Ortsname konsequent nicht genannt wird (so wie z.B. die legendäre Millionenstadt bei TKKG), aber gewisse Basics sollten auf den ersten fünf bis zehn Seiten gesagt werden.
  • A propos Seite 31, dort gibt es einen lustigen Schreibfehler: "Im Tal liegen mehrere Gewässer umgeben von dichtem Schilf, um das die dichten Schwaben wabern." Und ich dachte, dichte Schwaben gibt es vor allem in Berlin-Prenzelberg. Höhöhö!
  • Im Übrigen, muss man das Attribut "dicht" unbedingt zweimal so nah hintereinander benutzen?
  • Auf Seite 120 ist die Heldin zu müde, um noch einen Film zu sehen, aber auf Seite 168 heißt es, dass sie noch keinen Fernseher hat.
  • Andauernd lassen sich die Leute auf Stühle, Sofas oder Sessel fallen, anstatt sich einfach nur hinzusetzen. Sie schlagen sich auch ständig mit der Hand an die Stirn und reißen gespielt dramatisch die Augen auf. Ab und zu ist das ja vielleicht passend, aber mir war es zu viel. Allerdings kann das auch eine allgemeine Modeerscheinung sein, denn zumindest das Stirnklatschen und auf-Stühle-fallenlassen ist mir auch bei einigen anderen Büchern in der letzten Zeit aufgefallen.
  • Dann gibt es noch diverse Schreibfehler, fehlende Punkte und überflüssige Kommas.
Klar, das alles kann einer Autorin natürlich passieren, beim Schreiben wird man schnell betriebsblind. Aber gibt es da kein Lektorat?

Fazit: 
Die Geschichte und der Stil haben mir sehr gut gefallen, nur in der Haltungsnote gibt es von mir Punktabzug.

Tipp:
Auf der Homepage des Verlages gibt es eine 21-seitige Leseprobe.


Donnerstag, 15. Oktober 2015

Gelesen: "Diese schrecklich schönen Jahre" von Susanne Fröhlich und Constanze Kleis



Coverbild freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt

Autorinnen: Susanne Fröhlich, Constanze Kleis
Titel: Dies schrecklich schönen Jahre
ISBN: 9783833834158
208 Seiten
Hardcover
16,90 €

Klappentext:
Ab Mitte vierzig beginnt sie für Frauen, die Achterbahn der Lebenskoordinaten. Sie begegnen ihrer Sterblichkeit und sie stellen sich wichtige Fragen: Soll alles so weiter gehen? Im Job? In der Beziehung? In der Familie? Mit dem Geknitter im Gesicht und einem Stoffwechsel, der gerade die Work-Life-Balance entdeckt hat? Mit Eltern, die zunehmend hilfebedürftig werden? Wie präsentiert man einem neuen Mann den nicht mehr ganz so neuen Körper? Wo kann man sich eigentlich über dieses lausige Menopausen-Eventmanagement beschweren? Oder ist das hier bloß eine Art von Abenteuerurlaub? Wenn ja, dann sind Susanne Fröhlich und Constanze Kleis die perfekten Reisebegleiterinnen. Fürdieses Buch haben sie weder Selbstversuche, noch Liebes-Langzeittests oder die Internet-Beziehungsanbahnung gescheut, um Sie mit den besten Sicherheitsvorkehrungen für Ihren Trip durch diese schrechklich-schönen Jahre vertraut zu machen. Das alles ist wirklich kein Spaß und gerade deshalb gibt es eine Menge zu lachen.

Meine Meinung:
Ein Buch über die Wechseljahre? Bin ich dafür nicht noch etwas zu jung? Gekauft hätte ich es mir noch nicht, aber als es neulich in der Bücherei vom Bestsellertisch (2 Euro Leihgebühr für 14 Tage) in die das-waren-Bestseller-Ecke (keine Extragebühr, 28 Tage Leihfrist, verlängerbar) gewandert ist, habe ich zugegriffen.
Ich lese ja die Bücher von Susanne Fröhlich sehr gern. Ihr Schreibstil ist immer sehr unterhaltsam und leicht zu lesen. Gleichzeitig hält sie immer ein gewisses Niveau und ich finde nie Schreibfehler (das scheint ja heutzutage nicht mehr selbstverständlich zu sein).
Inhaltlich ist es ein sehr ehrliches, teilweise sehr nachdenkliches Buch, das der Leserin (und auch dem Leser) gleichzeitig Hoffnung macht, dass man auch in und nach den Wechseljahren noch viel Spaß haben und Neues erleben kann, dass das Leben nicht zu Ende ist, nur weil man Falten bekommt, die eigenen Eltern dement werden oder die Kinder das Haus verlassen. Es geht auch um Versöhnung und Solidarität, allein dafür ist es schon wirklich lesenswert.
Ich bin froh, dass ich es jetzt schon gelesen habe, schon wegen der Information, dass ein leichtes Übergewicht vor Wechseljahrsbeschwerden schützen kann. Wie blöd wäre es, sich die restlichen Schwangerschaftspfunde weg zu hungern, um dann ein paar Jahre später mehr unter Hitzewallungen etc. leiden zu müssen...

Tipp:
Auf der Homepage des Verlags gibt es eine Leseprobe, bei der man auch einen guten Eindruck von der hübschen Gestaltung des Buches bekommt.


Samstag, 10. Oktober 2015

Gelesen: "Silber - das dritte Buch der Träume" von Kerstin Gier


Coverbild freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt

Autorin: Kerstin Gier
Titel: Silber - das dritte Buch der Träume
464 Seiten
gebundene Ausgabe
Preis € (D) 19,99, € (A) 20,60
ISBN: 978-3-8414-2168-5

Klappentext:
Es ist März, in London steht der Frühling vor der Tür – und Liv Silber vor drei Problemen. Erstens: Sie hat Henry angelogen. Zweitens: Die Sache mit den Träumen wird immer gefährlicher. Arthur hat Geheimnisse der Traumwelt ergründet, durch die er unfassbares Unheil anrichten kann. Er muss unbedingt aufgehalten werden. Drittens: Livs Mutter Ann und Graysons Vater Ernest wollen im Juni heiraten. Und das böse Bocker, die Großmutter von Grayson, hat für die Hochzeit ihres Sohnes große Pläne, allerdings ganz andere als die Braut. 
Liv hat wirklich alle Hände voll zu tun, um die drohenden Katastrophen abzuwenden …

Meine Meinung:
Allein das Buch endlich zu bekommen, war für mich der reinste Krimi: Erst verschob sich die Veröffentlichung vom Sommer auf den Herbst und dann musste ich am Donnerstag mittag die Buchhandlung ohne das lang ersehnte Buch wieder verlassen. Ich hatte es zwar vor vielen Wochen schon vorbestellt, aber dann war es leider nicht geliefert worden. Nachmittags kam dann der Anruf, das Buch sei jetzt da. Also zwischen dem Judo-Training des großen Kindes und dem Abholen des kleinen Kindes vom Geburtstag des Kita-Kumpels noch schnell zum Dealer. Endlich hatte ich es! Eine Postkarte gab es als Lesezeichen noch gratis dazu. Ich war so glücklich und habe die älteren Damen im Laden gnadenlos vollgequatscht, wie happy ich bin und wie toll diese Bücher sind und dass der Abend gerettet ist. Sie haben etwas irritiert gelächelt. Naja, Pech, wenn sie die Silber-Trilogie nicht kennen.
Seit Donnerstag abend habe ich nun jede freie Minute gelesen, bin sogar abends über dem Buch eingeschlafen, das ist mir seit Jahren nicht mehr passiert. Nachts habe ich von langen Korridoren geträumt, durch die ich renne auf der Suche nach meiner Tür.
Und jetzt ist es vorbei. *seufz*
Auch der dritte Teil ist wieder spannend ohne Ende! Er ist lustig und romantisch, aufregend und einfach schön.
Ein paar Kleinigkeiten haben mich gestört, z.B. ein paar Schreibfehler oder dass die berüchtigte Kladde auf einmal in einer Kiste gefunden worden sei, obwohl es im ersten Band hieß, sie hätte in einem Schreibtisch (oder war es ein Sekretär? Ich kann gerade nicht nachsehen, weil ich die ersten beiden Bände einer Freundin geliehen habe) gelegen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass 15-jährige freiwillig "Hotel New Hampshire" lesen oder 13-jährige Mädchen selbständig einen Waschbeckenabfluss aufschrauben, um ein Haargummi heraus zu holen. Aber wie gesagt, das sind nur Kleinigkeiten.

Was denkt sich Frau Gier wohl als nächstes aus? Ich bin gespannt!


Mittwoch, 7. Oktober 2015

Gehört: "Splitterherz" von Bettina Belitz, gelesen von Laura Maire




Coverbild freundlicherweise vom Hörverlag zur Verfügung gestellt


Autorin: Bettina Belitz
Titel: Splitterherz
gelesen von Laura Maire
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
gekürzte Lesung
Laufzeit: 440 Minuten
Hörbuch Download
ISBN: 978-3-8445-0012-7
€ 15,95 [D]
Verlag: der Hörverlag

Klappentext:
Die 17-jährige Ellie ist alles andere als begeistert, als sie mit ihren Eltern in ein 400-Seelendorf ziehen muss. Bis sie dort den unnahbaren, aber äußerst faszinierenden Colin kennenlernt. Doch ihn umgibt ein düsteres Geheimnis, das die Liebe der beiden unmöglich erscheinen lässt: Er raubt die Träume anderer Wesen, um zu existieren...

Meine Meinung:
Über Splitterherz hatte ich in den letzten Jahren viele sehr begeisterte Kritiken gelesen. Die Grundidee der Geschichte fand ich interessant, aber die Leseprobe hatte mich dann nicht überzeugt. Als ich neulich jedoch das Hörbuch zufällig in unserer Bücherei fand, habe ich es einfach mal ausgeliehen und ihm eine Chance gegeben. 
Technisch ist es perfekt, typisch Hörverlag. Laura Maire liest auch sehr gut, wenngleich nicht mit verschiedenen Stimmen, wie das manch andere Hörbuchvorleser tun. 
Der Schreibstil von Bettina Belitz ist sehr angenehm, allerdings fand ich das Vokabular der Ich-Erzählerin unpassend. "Ich erblickte sein Antlitz...", so redet doch keine 17-jährige Großstadttussi, die in hochhackigen Stiefeln und Strickmantel mit ihrem iPhone in der Hand rumrennt und verzweifelt Empfang sucht. 
Inhaltlich fand ich, dass viele Fragen offen blieben. Ob das nun an der gekürzten Fassung liegt oder daran, dass es der erste Band einer Trilogie ist, oder ob sie bis zum Ende unbeantwortet bleiben, kann ich nicht beurteilen. Die Familiendynamik finde ich auch nicht schlüssig. Was sind denn das für Eltern, denen der Zustand ihrer Tochter so gar nicht auffällt, wenn sie voller Matsch und nur noch mit einem Schuh nach Hause kommt, dauernd einschläft und sich fast jeden Abend bis tief in die Nacht sonstwo herumtreibt, ohne bescheid zu sagen, wo sie ist und wann sie nach Hause kommt?
Ich konnte auch nicht nachvollziehen, warum Ellie und Colin sich ineinander verlieben.
Dennoch habe ich es bis zum Ende gehört, weil die Geschichte ja ganz spannend ist.

Tipp: 
Auf der Homepage des Verlags gibt es eine Hörprobe.


Donnerstag, 1. Oktober 2015

Gelesen: "Tiefe Wunden" von Nele Neuhaus




Coverbild freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt

 Titel: Tiefe Wunden
Autorin: Nele Neuhaus
Reihe: Taunuskrimi, Band 3
Taschenbuch
Broschur
480 Seiten
ISBN-13 9783548609027
Preis: € 9,99 [D], € 10,30 [A], sFr 11,50

Klappentext:
Drei Morde und ein dunkles Geheimnis...
Der 92-jährige Holocaust- Überlebende David Josua Goldberg wird in seinem Haus im Taunus mit einem Genickschuss getötet. Bei der Obduktion macht der Arzt eine seltsame Entdeckung: Goldbergs Arm trägt die Reste einer Blutgruppentätowierung, wie sie bei Angehörigen der SS üblich war. Dann geschehen zwei weitere Morde, die Hinrichtungen gleichen. Welches Geheimnis verband die Opfer miteinander? Die Ermittlungen führen Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Kirchhoff weit in die Vergangenheit: nach Ostpreußen im Januar 1945...

Meine Meinung:
Im Frühling hatte ich die Verfilmung dieses Taunus-Krimis im Fernsehen gesehen und fand die so spannend, dass ich unbedingt das Buch lesen wollte, um alle Details zu erfahren. Neulich fand ich es endlich in der Bücherei. 
Diesmal war es ausnahmsweise wirklich von Vorteil, dass ich zuerst den Film gesehen habe und die Auflösung schon kannte, sonst hätte ich wahrscheinlich gar nichts kapiert. Die Geschichte ist sehr verworren, es gibt viele Nebenhandlungen, die alle miteinander verknüpft sind, manche führen auf falsche Fährten, manche sind so formuliert, dass man sie falsch interpretieren muss, wenn man es nicht besser weiß. Ich fand sehr anstrengend, dass es so viele Personen gibt, die teilweise sehr ähnliche Namen haben. Ein paar Ungereimtheiten gibt es leider auch, so wird z.B. ein Handy beim ersten Mordopfer im Garten gefunden, mit dem der Täter aber nach dem zweiten Mord angeblich noch telefoniert oder eine SMS geschrieben haben soll. Dabei müsste das die ganze Zeit bei der Polizei gelegen haben. Deshalb dachte ich ganz lange, der Vorgesetzte von Bodenstein hätte es benutzt, um den Mord jemandem in die Schuhe zu schieben. 
Warum hatte nun Katharina Ehrmann Firmenanteile geerbt? Und wofür wollte sie sich rächen? Das war mir auch nicht klar.
Warum hatte der Fall keine Kosequenzen für die Politikerin? Sie wurde doch von Henri schwer belastet.
Fazit: Eine spannende Geschichte, aber die Verfilmung hat mir besser gefallen, obwohl bzw. wahrscheinlich sogar gerade weil viele Figuren und Nebenhandlungen fehlten.


Dienstag, 29. September 2015

Gehört: "Silber" von Kerstin Gier, gelesen von Simona Pahl

Neulich waren die Kinder und ich mal wieder in der Bücherei. Und seitdem dort die Jugendhörbücher direkt neben den Comics stehen, die der Nachwuchs stapelweise nach Hause schleppt, leihe ich mir gelegentlich welche aus.
Die ersten zwei Bände der Silber-Trilogie von Kerstin Gier hatte ich ja schon längst gelesen, deshalb habe ich sie mir zunächst nicht ausgeliehen, aber da jetzt die Veröffentlichung des dritten Teils näher rückt, habe ich sie doch mal mitgenommen und gehört. So weiß ich dann am 8. Oktober wenigstens noch gut, was bisher geschah...

 
Coverbild freundlicherweise vom Argon-Verlag zur Verfügung gestellt 

Laufzeit: 9 Stunden, 35 Minuten 
Umfang: 8 CDs
ungekürzte Lesung
ISBN: 978-3-8398-4050-4
Preis: 19.95 €



Coverbild freundlicherweise vom Argon-Verlag zur Verfügung gestellt

Laufzeit: 9 Stunden, 33 Minuten
Umfang: 8 CDs
ungekürzte Lesung
ISBN: 978-3-8398-4060-3
Preis: 19,95 €

Klappentexte und meine Meinung zu den Inhalten: siehe Rezension der Buchausgaben hier und hier.


Meine Meinung zu beiden Hörbuchfassungen:
Technisch sind sie perfekt. Simona Pahl fand ich ehrlich gesagt am Anfang etwas langweilig, aber nach einer Weile kommt sie in Fahrt und verleiht einigen Figuren wirklich sehr passende Stimmen, so z.B. den schrecklichen Mädchen von der Highschool in den USA, dem "furchtbaren Freddy" oder auch Lottie. Schwierig finde ich in der Hörfassung die Namen der beiden Silber-Schwester Liv und Mia. Ist da von einer Liv-Tür die Rede oder von einer Lift-Tür? Und soll es heißen: "Er sah mir ins Gesicht" oder "Er sah Mia ins Gesicht?" Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber im Text ist ständig etwas mit "Mia und mir" bzw. umgekehrt. Das hat mich abgelenkt und deshalb gestört. Außerdem sagt Simona Pahl immer wieder "Hendry" statt "Henry". Und den Namen Anabel würde ich auch nicht "Ännäbill" aussprechen. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Alles in Allem hat mir das Hören großen Spaß gemacht und ich freue mich wirklich auf den dritten Teil.

Tipp 1:
Habt Ihr  gesehen, dass es beim Argon-Verlag schon eine Hörprobe von "Silber - das dritte Buch der Träume" gibt?

Tipp 2:
Auf der Silber-Homepage von Kerstin Gier gibt es eine XXL-Leseprobe des dritten Teils, die einen anderen Inhalt hat als die o.g. Hörprobe.

Tipp 3:
Es gibt im Netz sogar den Tittle-Tattle-Blog! Warum habe ich den erst jetzt entdeckt???



Donnerstag, 24. September 2015

Gehört: "Ensel und Krete" von Walter Moers, gelesen von Dirk Bach



Coverbild freundlicherweise vom Hörverlag zur Verfügung gestellt

Autor: Walter Moers
Titel: "Ensel und Krete"
gelesen von Dirk Bach
ungekürzte Lesung
1 MP3-CD, Laufzeit: 440 Minuten
ISBN: 978-3-8445-1353-0
€ 19,99 [D], € 22,50 [A], CHF 28,50
Verlag: der Hörverlag

Klappentext:
Die Brüder Grimm würden staunen: Statt Hänsel und Gretel verirren sich bei Walter Moers die zwei Fhernhachen-Geschwister Ensel und Krete im Großen Wald (einer der touristischen Hauptattraktionen Zamoniens). Nach zwielichtigen Buntbären, Laubwölfen, unsterblichen Sternenstaunern und Stollentrollen treffen sie schließlich auch auf die Hexe (Warnung: Hexen stehen immer zwischen Birken!). Und was Ensel und Krete da widerfährt, ist selbst für zamonische Verhältnisse ungeheuerlich.
Dirk Bach folgt den Helden der Geschichte auf verschlungenen Waldpfaden und über jede Mythenmetzsche Textabschweifung hinweg.


Meine Meinung:
Walter Moers hat mal wieder ein spannendes Märchen mit unglaublichen Wendungen geschrieben, das allerdings recht wenig mit dem Grimmschen "Hänsel und Gretel" gemeinsam hat. Hier gehen die Kinder absichtlich in den Wald, um mal etwas zu erleben und gegen die Regeln zu verstoßen. Und natürlich erleben sie eine Reihe gefährlicher Abenteuer. Sie begegnen seltsamen Wesen wie einem Laubwolf, einem Stollentroll und einer sprechenden Orchidee (meine Lieblingsfigur), um nur mal drei zu nennen. Immer wenn es gerade besonders spannend wird, gibt es allerdings eine Mythenmetzsche Abschweifung, bei der ich jedes Mal erst dachte: "Och nee, nicht jetzt! Ich will wissen, wie das Märchen weiter geht!" aber nach wenigen Worten schlug mein Unmut in Begeisterung um und ich dachte: "Ja, genau! Mehr davon!"
Dirk Bach liest mal wieder mit wunderbar wandelbarer Stimme laut und leise, männlich und weiblich, sanft und brutal, zaghaft und bedrohlich.
Lediglich den Showdown fand ich enttäuschend und es bleiben am Ende auch einige Fragen offen. Nach dem eigentlichen Märchen folgt dann noch die halbe Biografie von Hildegunst von Mythenmetz, auf die ich hätte verzichten können.
Fazit: Für Walter Moers eher mittelmäßig, aber im Großen und Ganzen ein tolles Hörbuch.

Tipp1:
Auf der Homepage des Hörverlags gibt es eine Hörprobe.

Tipp2:
Vorher sollte man "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" gelesen haben, um die Zamonische Welt besser verstehen zu können. Ach, man sollte das sowieso gelesen haben, weil es einfach ein phantastisches Buch ist. Oder das Hörbuch hören, denn das hat auch Dirk Bach gelesen.

Dienstag, 22. September 2015

Upcycling: Ringbuch-Ordner aufgehübscht


Früher habe ich Frauenzeitschriften gelesen. Erst habe ich alle Hefte aufbewahrt, um immer mal wieder drin zu blättern, aber mit jedem Umzug haben sich meine lieben Helfer mehr beschwert, dass sie immer diese schweren Kisten voller Papier schleppen müssen. Also habe ich die Hefte ausgeschlachtet und nur meine Lieblingsartikel ordentlich in einem Ringbuchordner abgeheftet. Leider war dieser Ordner eher unansehnlich, also habe ich ihn passend zum Inhalt mit den Bildern von aussortierten Artikeln und Werbeseiten beklebt.


Die Technik ist ganz einfach: Bildchen ausschneiden, die Rückseite mit Klebestift bestreichen und direkt auf den Ordner pappen.


Das hält auch nach über 15 Jahren noch super.
Und falls sich mal ein Stück löst, kommt einfach wieder der Klebestift zum Einsatz.
Die Kanten sind schon ein wenig abgeschabt, aber das stört mich nicht.


Die Bilder habe ich großzügig um die Ränder herum geklebt und auf die Innenseiten auch einfach noch mehr Bilder gepappt.


Und wenn ich heutzutage den Drang verspüre, mir eine solche Zeitschrift zu kaufen, dann nehme ich meinen schönen Ordner in die Hand. Die Inhalte sind nämlich zeitlos. Anders gesagt: In den Zeitschriften steht doch eh immer dasselbe, die Mode wiederholt sich alle zehn Jahre und die Hälfte besteht aus Werbung. So spare ich Geld und Papier, da freut sich auch die Umwelt!

Meine Bastelei macht mit bei:



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