"Noch wach?" von Benjamin von Stuckrad-Barre
Es gibt ja verschiedene Erzählperspektiven, die alle ihre Daseinsberechtigung haben. Die Du-Perspektive finde ich grundsätzlich schwierig. Wenn dann auch noch ein alter weißer Mann die Geschichte einer jungen Frau erzählt, ist das eh schon herausfordernd. Aber mit dieser Perspektive hat das extrem was von Mansplaining. "Du hast dies getan, du hast das gedacht, du hast jenes gefühlt..." Was soll das?
Der Roman erzählt von Patriarchat, Machtmissbrauch, Sexismus und den Folgen. Kann man machen. Aber dann lass doch die Frau erzählen. Oder erzähle aus der Perspektive eines Mannes, der ihr hilft oder der selber unter diesen Strukturen leidet. Oder von einem, der Täter ist, aber irgendwann begreift, wie Scheiße er ist und sich ändert. Aber dieses Buch hier braucht niemand.
Die Themen sind sehr interessant, aber der Erzählstil ist für mich unerträglich. Das Buch liest sich wie die Nacherzählung eines mittelmäßigen Schülers der vierten Klasse.
Eine Geschichte, die sich an Filmzitaten entlang hangelt, das könnte durchaus Potential haben. Aber diese Protagonistin ist mir mit ihrer Oberflächlichkeit leider furchtbar unsympathisch. Es ist auch von Anfang an klar, wer am Ende ihr Traumprinz sein wird: Der Arsch, der sie immer so mies behandelt. Wie oft soll uns denn diese Lüge noch erzählt werden?
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