Freitag, 2. Dezember 2011

Aufgeregt

Auf dem Weg zum Bus müssen wir morgens eine große Ampelkreuzung mit Mittelinseln überqueren. Die Ampel schaltet immer so schnell wieder auf rot, dass wir es zunächst nur bis zur Mittelinsel schaffen und dort warten müssen. Das regt mich nicht auf. Dass viele Leute noch bei rot weitergehen, ist zwar pädagogisch schlecht für meine Kinder, aber das kann ich ausgleichen, indem ich selbst nur bei grün gehe und das auch immer wieder erkläre. Nein, was mich echt aufregt, das sind die Autofahrer, die links abbiegen wollen und - egal wie voll es dort bereits ist - rücksichtslos auf die Kreuzung fahren, immer bis an die Stoßstange des Vordermanns. Wenn dann die Ampel umschaltet, kommt der hupende Querverkehr angerauscht und die Kreuzung verstopft total. Und ich kann die zweite Hälfte der Straße nicht überqueren, weil diese Linksabbieger natürlich auch auf dem Fußgängerüberweg dicht an dicht stehen. Da komme ich mit dem Kinderwagen und einem Kleinkind an der Hand nicht durch! Und wenn doch, dann werden wir auch fast noch überfahren, weil die Linksabbieger gnadenlos nachströmen, selbst wenn ihre Ampel schon rot und die Fußgängerampel grün ist. Als ob sie das dürften, nur weil die anderen Abbieger auch noch auf der Kreuzung stehen. Nein! Wer die rote Ampel sehen kann, muss auch anhalten!

An der Bushaltestelle suche ich für uns immer einen Platz möglichst weit weg von allen Rauchern. Ich habe nichts gegen Raucher per se. Ich finde, jeder kann allein entscheiden, welche Gesundheitsrisiken er eingeht. Von mir aus können Raucher so viel rauchen, wie sie wollen. Ich will mir ja auch nicht reinreden lassen, wie viel Schokolade ich esse. Aber ich stopfe niemandem Schokolade in den Mund. Und ich will nicht rauchen! Weder aktiv noch passiv!
Im Wartehäuschen an der Haltestelle sitzen immer die Raucher auf der Bank. Also stelle ich mich draußen hin. Das war leider auch in der Schwangerschaft so. Und wenn wir mal die ersten an der Haltestelle sind und uns hinsetzen, dann kommt immer ein Raucher, setzt sich daneben und raucht. Wir flüchten dann immer. Aber egal, ob wir uns links vom Häuschen hinstellen oder rechts davon, es stellen sich immer Raucher dazu. Können die bitte unter sich bleiben? Ich habe keine Lust mit denen zu diskutieren. Und ich denke auch, wenn sich jemand rauchend direkt neben kleine Kinder stellt, dann ist eh Hopfen und Malz verloren. Da wird eine höfliche Bitte auch nicht dazu führen, dass wir in Ruhe gelassen werden. Also gehen wir wieder ein paar Meter weiter. Das nervt mich schon sehr. Aber was mich so richtig aufregt, das sind die Raucher, die, wenn der Bus kommt, noch schnell ganz tief an der Zigarette ziehen, einsteigen und dann im Bus den Qualm ausatmen. Denn da können wir nicht mehr ausweichen. Es stinkt, mir wird übel, ich bekomme Kopfschmerzen. Und das sind nur die unmittelbaren Folgen.

Das Busfahren macht mir auch keinen Spaß mehr. Die Fahrer halten oft so blöd, dass ich den Kinderwagen in den Bus heben muss, weil so ein Riesenabstand zum Bordstein ist. Wenn sie nah am Bordstein halten, dann meistens so, dass mittig vor der hinteren Tür ein Laternenpfahl steht, an dem ich mit dem Kinderwagen kaum vorbeikomme. Wenn denn der Fahrer die Tür öffnet. Heute mittag hielt der Bus an und die hintere Tür blieb zu. Es wollte wohl keiner aussteigen. Ich drückte auf den Knopf, aber die Tür bleib zu. Drinnen sah ich verschiedene Leute ebenfalls den Knopf drücken und dann zu mir die Schultern zucken, weil die Tür weiterhin zu blieb. Ich habe dann den Kinderwagen zur vorderen Tür geschoben, da motzt mich der Fahrer an, dass ich mit dem Kinderwagen hinten einsteigen soll. Ich motzte zurück, dass er dazu die Tür öffnen soll. Da sagt er: "Das hat mir ja keiner gesagt." Ach so. Aha. Die Knöpfe sind nur Deko oder was?

Wenn wir dann also im Bus sind, muss ich immer die Leute bitten, den Kinderwagenplatz frei zu machen. Immerhin tun sie das in der Regel. Allerdings gehen sie nicht weit, sondern stellen sich direkt zwischen mich und die Tür, sodass die anderen Fahrgäste nicht mehr nach hinten oder zur Tür durchkommen und dann mich anmotzen. Sorry, ich kann nur dort stehen, wo der Kinderwagen steht. Ich sage dann immer augenverdrehend: "Die Leute hier wollen alle so nah bei den Kinderwagen sein, weil die Babys so gut riechen."

Wenn wir aussteigen wollen, stehen leider immer die Leute draußen dicht vor der Tür und versuchen auf Biegen und Brechen einzusteigen, während wir aussteigen. Was soll das? Wenn diese Leute selbst später aussteigen wollen und sich gleichzeitig die nächsten Deppen reindrängeln, regen sie sich ja auch auf. Aber so eine grundsätzliche Regel wie "Erst aussteigen lassen, dann einsteigen" oder beim Bus "Vorne rein, hinten raus" kommt ihnen nicht in den Sinn. Sie kennen anscheinend nur "Ich will zuerst!"

Wenn jeder an sich denkt, ist doch an alle gedacht...

Ich behaupte jetzt nicht, dass ich immer perfekt höflich und rücksichtsvoll bin, aber ich gebe mir wenigstens Mühe und versuche mich so zu verhalten, dass der Alltag für alle Beteiligten möglichst reibungsfrei abläuft. Es fällt mir aber von Tag zu Tag schwerer und ich komme mir oft vor wie ein Idiot, der sich ausnutzen lässt.

Geht das nur mir so? Liegt es an mir? Liegt es an Berlin? Liegt es am Wetter?
Sind Rücksicht und Aufmerksamkeit aus der Mode gekommen?
Kennt Ihr das auch? Wie geht Ihr damit um?


Nachtrag:
In letzter Zeit gehen wir deshalb so oft wie möglich zu Fuß von der Kita nach Hause, auch wenn das eine Stunde dauert. Aber so müssen wir uns wenigstens nicht mit den blöden Leuten im und am Bus rumärgern. Und die große Kreuzung können wir dann auch umgehen. Wir haben Bewegung an der frischen Luft und schauen uns die Gartenzwerge, Windmühlen und Modelleisenbahnanlagen in den Vorgärten an. Aber viermal am Tag kann ich das nicht machen, denn das kostet zu viel Zeit. Und heute hat es geregnet, da wollte ich mit den eh schon verschnupften Kindern nicht durchnässt werden.

Kommentare:

  1. Ich kann sehr gut verstehen, wie Du das meinst. Zum Glück sind meine Wege mit dem Muckelchel bis jetzt alle noch zu Fuß erreichbar. Aber mir graut es schon, wenn ich sie dann auch mit Bus und Bahn zur Kita bringen muss!

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  2. Mich nerven diese Dinge auch ohne Kind und Kinderwagen. Wie oft brülle ich durch den gesamten Bus "bitte die hintere Türe auch aufmachen", weil die Knöpfe tatsächlich nur Deko zu sein scheinen.
    Auch an Ampeln bin ich oft die einzige, die stehenbleibt. Aber das ist mir egal, das sind schließlich MEINE Prinzipien (-:
    Letztens in der S-Bahn raunzte eine Dame zwei Mädels an, sie sollen doch bitte erst die Leute aussteigen lassen und dann steht eben diese Dame nach dem Einsteigen so nah an der Türe (sie will nämlich die nächste schon wieer raus), dass Sie
    weiter einsteigenede Menschen behindert...

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  3. Als ich den Post sah, fühlte ich mich sofort zurückversetzt. Als meine Tochter nämlich noch klein war, habe ich oft meine Schwester in Berlin besucht. Meine Tochter samt Buggy/Kinderwagen dabei. Und nein, es geht nicht nur Dir so!
    Ich war echt schockiert! Die einzigen die mir ihre Hilfe angeboten haben, waren komischerweise alte Omis und .... *staun* Jugendliche! Aber sonst! Niemand!
    Allerdings fürchte ich, das es nicht nur in Berlin so ist. Da fällt es halt nur extrem auf, weil man die öffentlichen Verkehrsmittel halt viel mehr nutzt. Als ich letztens mal hier in der S-Bahn war, musste ich auch einen Herrn der auf dem Kinderwagen-Platz sass erst ansprechen - und selbst dann bewegte er sich nicht, sondern sein Nachbar machte dann netterweise Platz! Traurig, dass man da überhaupt was sagen muss.
    Und das Verhalten der Busfahrer finde ich auch einfach nur ... hm ... traurig ist noch zu sanft. :-) Ich bin nicht nur einmal in Berlin "schwarz" Bus gefahren, weil der Bus sofort nach dem Einsteigen mit dem Wagen losfuhr und es bei dem Fahrstil der Fahrer ja nicht möglich ist, von dem Wagen wegzugehen um ein Ticket zu kaufen. Manche waren nett und haben gewartet bis ich nach vorne gegangen bin ... aber bei Weitem nicht alle.

    Na ja, könnte darüber noch ewig schreiben ... In dem Fall bin ich dann froh, dass man hier auf dem Dorf von öffentlichen Verkehrsmitteln nur (alp)-träumen kann. ;-)

    Liebe Grüße

    Ursula

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