Sonntag, 18. August 2019

Gelesen: "The Bookshop on the corner" von Jenny Colgan




Titel: The bookshop on the corner
Autorin: Jenny Colgan
Verlag: William Morrow Paperbacks
ISBN: 9780062467263
384 Seiten
Erscheinungsjahr: 2016
Preis: 14,00 € als Taschenbuch oder 8,99 € als eBook oder kostenlos ausleihen bei Overdrive

Klappentext:
Nina is a literary matchmaker. Pairing a reader with that perfect book is her passion... and also her job. Or at least it was. Until yesterday, she was a librarian in the hectic city. But now the job she loved is no more. 
Determined to make a new life for herself, Nina moves to a sleepy village many miles away. There she buys a van and transforms it into a bookmobile — a mobile bookshop that she drives from neighborhood to neighborhood, changing one life after another with the power of storytelling. 
From helping her grumpy landlord deliver a lamb, to sharing picnics with a charming train conductor who serenades her with poetry, Nina discovers there's plenty of adventure, magic, and soul in a place that's beginning to feel like home... a place where she just might be able to write her own happy ending.

Meine Meinung:
Über dieses Buch bin ich ganz zufällig gestolpert, als ich bei Overdrive unterwegs war. Das Cover hat mich sofort angesprochen. Klappentexte lese ich ja nicht, weil die meist zu viel verraten. 
Die Hauptfigur Nina war mir sofort sympathisch und die locker im Text eingestreuten Bezüge zu Romanklassikern bereiteten mir viel Vergnügen. Die Personen werden mit wenigen Sätzen umrissen, dabei liegt der Schwerpunkt aber nicht auf Äußerlichkeiten, sondern viel mehr auf ihrem Charakter und Verhalten. Genauso wird auch die schottische Landschaft weniger optisch beschrieben, sondern mehr das Gefühl, dort zu sein. Die Atmosphäre hat mir sehr gefallen, am liebsten würde ich dort sofort Urlaub machen, wenn nicht sogar leben. Ansonsten spielen natürlich Bücher eine große Rolle und die Eisenbahn. 
Nina ist anfangs sehr unsicher und naiv, aber sie hat auch ihren Stolz, ist bereit neue Dinge zu erlernen und sie entwickelt sich im Laufe der Geschichte sehr. Erst ist sie von der direkten, ehrlichen, um nicht zu sagen grobschlächtigen Art der Schotten etwas irritiert bis beleidigt, aber dann passt sie sich an und genießt es, ihre Meinung auch frei heraus zu sagen. Früher hat sie sich viel in Romane geflüchtet, aber in Schottland lebt sie endlich ihr Leben. Sie begreift das Wunder des Lebens. Sie tanzt wild und ungezähmt, ohne zu überlegen, wie sie dabei wohl aussieht und was andere über sie denken.
Der Gegenpol ist das hektische Leben in der Großstadt Birmingham. Dort hat sie vorher gelebt und dort leben noch ihre Freunde, die in ihren Jobs kaum noch mit ihren eigentlichen Berufen zu tun haben, sondern in langweiligen Meetings sitzen, Papierkram erledigen oder mit ihren Computern kämpfen.
Nina zieht sich mit ihrer Geschäftsidee nicht nur am eigenen Schopf aus dem Loch, in das sie durch ihre Entlassung und die Schließung der Bücherei gefallen ist. Sie bringt ein ganzes Dorf dazu (wieder) Bücher zu lesen. Die Menschen hatten einfach irgendwann damit aufgehört, weil sie dauernd mit Social Media beschäftigt waren und weil sie auch keine anderen lesenden Menschen mehr in der Öffentlichkeit gesehen bzw. erkannt hatten, denn manche waren nur auf digitale Varianten umgestiegen.
Die Liebesgeschichte war mit zu vorhersehbar und am Ende auch unnötig dramatisch. Da war Nina plötzlich wieder unsicher und stellenweise echt pubertär.
Dafür gab es vorher ein paar sehr dramatische Szenen, mit denen ich wirklich nicht gerechnet hatte.
Insgesamt hat mir die Lektüre sehr gefallen und ich habe mir schon ein paar weitere Titel von Jenny Colgan angeschaut. Leider gibt es nur dieses eine Buch bei Overdrive, in der Onleihe findet man sie gar nicht auf englisch.

Tipp:
Jenny Colgan schreibt auch unter dem Pseudonym Jane Beaton.

Montag, 5. August 2019

WMDEDGT - Tagebuchbloggen am 5. August 2019


Es ist der 5te und Frau Brüllen fragt wie jeden Monat:
"Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?"

Prolog:
Es ist der letzte Ferientag. Wir packen die Schultaschen und besprechen den morgigen Tag. Ich frage K1, ob wir zusammen K2 zur Schule bringen sollen oder ob K1 morgens allein zuhause bleiben will, um dann später von hier aus zum Gymnasium loszugehen. "Ich steh früh mit euch auf und gehe mit zur Grundschule. Ich stelle meinen Wecker sogar auf 6:50 Uhr, damit ich einen Vorsprung habe!" Dann sage ich noch, dass K1 das Handy aufladen soll.

02:00
Ich wache auf und mir fällt ein, dass ich unbedingt noch Apfelsaft für die Einschulungsfeier der fünften Klassen am Gymnasium am Dienstag kaufen muss. Ich gehe in die Küche und schreibe "Apfelsaft" auf den Einkaufszettel.

05:30
Mein Mann steht auf. Ich höre ihn im Bad und in der Küche rödeln. Irgendwann klappt die Wohnungstür hinter ihm ins Schloss.

07:00
Mein Wecker klingelt. So früh aufzustehen ist für mich echt eine Qual. Und ab morgen muss ich immer sogar noch eine Stunde früher raus. Ich gehe ins Bad und höre, wie K2 aufsteht.

07:10
K1 regt sich noch nicht. Ich gehe nachschauen. K1 pennt. Der Wecker ist aus. Na, das fängt ja gut an. Ich wecke K1 und gehe in die Küche. Kaffee, ich brauche Kaffee! K2 sitzt im Schlafanzug am Esstisch und futtert Müsli.

07:25
Ich schaue nach K1. Das Bett ist leer. Na immerhin. Ich schau im Bad. Da sitzt K1 auf dem Klo. ich bitte um etwas Beeilung.

07:30
K1 kommt im Schlafanzug in die Küche, nimmt sich Müsli und beginnt zu mampfen. Ich schneide Brot in Scheiben.

07:35
K2 zieht sich an, packt die Brotbox, füllt die Trinkflasche. Ich gehe mich auch anziehen. K1 beschließt, noch eine Stulle zu essen.

07:45
K2 geht sich die Zähne putzen, Haare kämmen und Ohren waschen. Ich bitte K1 sich anzuziehen. Ich frage, ob das Handy geladen ist. "Das kann ich dir gleich sagen", ist die Antwort. Was heißt das jetzt? Hat K1 das Handy geladen oder nicht?

07:55
K1 ist jetzt angezogen. Ich frage nach dem Handy. Ach ja, das sei geladen. Und in der Schultasche. Jetzt muss K1 noch die Flasche füllen und die Brotbox packen. Die Frage, welches Obst oder Gemüse heute genehm ist, muss mehrere Minuten überlegt werden. Ein Apfel soll es sein. 

08:00
K2 zieht sich schon die Schuhe an. K1 grübelt noch, welches Messer und welches Brett die beste Wahl zum Apfelschneiden wären. Um dann beim Schneiden theatralisch festzustellen: "Ich kann das nicht! Das ist mir zu schwierig!"
Ich bleibe ruhig und frage, ob K1 jetzt mitkommen will zur Grundschule oder nicht. K1 will nicht mitkommen. Bin ich froh, dass K1 inzwischen groß genug ist, um auch mal allein zuhause zu bleiben. K2 und ich gehen zur Grundschule. Ich gehe heute ausnahmsweise mit, weil K2 neben dem vollen Schulranzen noch eine große Einkaufstasche voll Ablagekörben, Küchenrolle, Taschentücher, Malerkittel etc. tragen muss.

08:15
Ankunft Grundschule. K2 zickt und zappelt herum. Wir stellen fest, dass wir nicht nur selber sehr aufgeregt sind, sondern auch die Aufregung der Kinder und Eltern um uns herum deutlich spüren. Ich bespreche mit K2, dass das für uns Empathen normal ist, wir aber unterscheiden müssen zwischen unseren eigenen Gefühlen und denen der anderen. Sofort ist K2 wieder mein Sonnenschein. Dann plaudern wir noch mit einigen anderen Kindern und deren Eltern, bis wir ins Schulgebäude gehen können.

08:25
Wir finden das Klassenzimmer und begrüßen die neue Klassenlehrerin. K2 hat sich einen schönen Sitzplatz ausgesucht, in der Mitte der zweiten Reihe. K2 ist eher extrovertiert. Ich als introvertierter Mensch hätte mich nie freiwillig so hingesetzt, sondern immer eher an den Rand, gern auch ganz hinten, wo ich nicht so von den Mitschüler*innen gesehen werde, aber alle anderen gut sehen kann.

08:30
Ich gehe Apfelsaft und noch ein paar andere Lebensmittel einkaufen.
An der Kasse reiße ich die Kassiererin mit einem fröhlichen "Einen wunderschönen guten Morgen!" aus ihrer stumpfen Routine. Sie reagiert freudig überrascht und wünscht mir noch einen zauberhaften Tag.

08:40
Als ich die Wohnungstür öffne, begrüßt mich K1 fröhlich kauend. "Plötzlich war es ganz einfach, den Apfel zu schneiden und es ging ganz schnell. Deshalb esse ich ihn jetzt sofort auf." Tja, manchmal platzt so ein Knoten von ganz allein. K1 packt die Schultasche fertig, checkt die Außentemperatur und beschließt, dass bei 20°C keine Jacke nötig ist. Dann noch einmal aufs Klo, Haare kämmen, Ohren waschen und Zähne putzen.

08:55
K1 verlässt gut gelaunt das Haus. Ich reiße alle Fenster auf, mache die Betten, sammle die Wäsche ein und sortiere sie in die Wäschebank. Dann räume ich die Küche auf und die Spülmaschine ein, bringe den Müll raus.

10:00
Kaffeepause. Ich setze mich an den Rechner und sehe, dass es ein wichtiges Systemupdate gibt. Also schließe ich die Backupplatte an, um meine Daten zu sichern. Nebenbei lese ich meine E-Mails. Dann starte ich das Update und gehe in den Garten, um das Grünzeug zwischen den Steinplatten rauszukratzen.

12:30
Ankunft K2. Schule war mal wieder schön. Ich bin ja immer sehr erstaunt, wie gut meinen Kindern die Schule gefällt. Natürlich freue ich mich, aber meine eigene Schulzeit habe ich halt eher als lästig in Erinnerung. Ich lasse mir von Lehrer*innen und Mitschüler*innen erzählen. Einen Stundenplan gibt es noch nicht.
Eigentlich sollen die Kinder in der Schule zu mittag essen, weil das seit heute für alle Berliner Kinder der ersten sechs Klassen kostenlos ist. Das hatte K2 vergessen. Mal abwarten, wie das bei K1 ist.

13:00
K2 sitzt mit dem Atlas am Tisch und schreibt einen Eisenbahnfahrplan für die Strecke Paris-Prag. Ich falte Wäsche und räume sie weg.

14:00
Ankunft K1. Gymnasium war auch schön. Leider wusste K1 nicht, wo es das Mittagessen gibt. Als es die Essensausgabe gefunden hatte, gab es nichts mehr zu essen. Ich frage meinen Mann am Chat, ob er zu mittag gegessen hat. Ja, hat er. Also müssen wir ihn nicht berücksichtigen. Ich lasse die Kinder wählen und sie entscheiden sich für kalte Küche. K1 hat schon einen Stundenplan, den ich mir gleich abschreibe und an die Wohnungstür hänge.

15:00
Die Kinder gehen zur Apotheke, um sich die "Medi Zini" für August zu holen. Dann bauen sie eine Seilbahn aus Fischertechnik, während ich hier schreibe.

16:00
Seit heute dürfen Berliner Schulkinder quasi kostenlos mit dem ÖPNV fahren. K2 will jetzt eine Stadtrundfahrt machen. K1 will mitkommen. Ich handle sie runter auf "mit unserem Bus bis zur Endstation und zurück". Die Kinder stecken ihre Fahrkarten ein (ja, auch wenn es kostenlos ist, muss man sich ein Ticket besorgen), K1 schaltet das Handy ein und steckt es in die Tasche. Als die Kinder losgehen, kommt mein Mann nach Hause. Wir sinken auf das Sofa und genießen die Stille.

16:45
Die Kinder sind wieder da. Sie gehen direkt in den Garten, um noch eine Runde auf dem Trampolin zu hüpfen. Ich lese die letzten zwei Ausgaben der Zeitung meiner Alma Mater. Mein Mann vergnügt sich an seinem Rechner mit dem o.g. Backup und Update.

17:00
Die Kinder kommen wieder rein, räumen ihr Zeug vom Esstisch und essen zu abend.

17:30
Die Kinder machen sich bettfertig. Ich darf Ohren kontrollieren ("Ohren-Trolle nachschauen") und Zähne nachputzen ("nachpupsen"). Anschließend machen die Kinder mit Papa "Abendprogramm": je 30 Minuten am iPad spielen oder Filmchen gucken. Ich setze mich an die Nähmaschine und repariere ein Wäschenetz.

18:30
Die Kinder spielen jetzt noch zusammen, während wir Eltern je eine Folge Gortimer Gibbon und American Housewife gucken.

19:45
Mein Mann guckt noch einen Berg-Film, während ich den Garten gieße.

20:00
Die Kinder sollen jetzt in die Betten gehen. Dort dürfen sie noch eine halbe Stunde lesen. K1 legt sich direkt ins Bett. K2 sucht den Tolino, den wir aus der Bücherei ausgeliehen haben. Angeblich war das Teil zuletzt in der Stofftasche am Bett. Dort ist es aber nicht.

20:20
Nachdem das Schimpfen von K2 sich in verzweifeltes Weinen gewandelt hat, das plötzlich abbrach, ging ich mal nachschauen. Da saß K2 im Bett mit dem Tolino in der Hand. Auf meine Frage, wo der denn nun war, sagte K2 wütend: "Auf dem Fensterbrett!"
Na immerhin ist das Gerät wieder da.

20:25
K1 hat den Zauberquader (2x2x4) gelöst und muss mir unbedingt zeigen, wie das geht. Ich schaue aufmerksam zu, bin aber von der Dreidimensionalität komplett überfordert.

20:30
Ich sage K1 "Gute Nacht!" und gehe dann zu K2. K2 hat Heimweh nach den Bergen und Seilbahnen. Ich tröste und beruhige das Kind, so gut ich kann, lenke es mit der Kuschelkatze und Küsschen ab.

20:45
K2 weint, weil die Berge und Seilbahnen so weit weg sind. Wir kuscheln noch eine Weile und reden über starke Gefühle wie Liebe und Sehnsucht, bis es wieder gut ist. Ich kann das so gut verstehen, allerdings ist es bei mir die Liebe zum Meer. Ich könnte immer mitweinen, weil mir die Nordsee so fehlt.

21:00
Noch den Rest hier schreiben und dann ab ins Bett. Gute Nacht!


Samstag, 3. August 2019

Gelesen: "Den Absprung wagen" von Fabian Hambüchen




Autor: Fabian Hambüchen
Titel: Den Absprung wagen - Stürzen, aufstehen, siegen lernen
Preis: 19,99 € [D], 20,60 € [A], CHF 28,90
Hardcover mit Schutzumschlag
256 Seiten
ISBN: 978-3-424-20173-4
erschienen am 23. Oktober 2017


Klappentext:
Im Sport ist alles möglich - im Leben auch.
2016 war das Jahr des Fabian Hambüchen, auch wenn es alles andere als gut begonnen hatte: Eine Schulterverletzung wirft ihn Anfang des Jahres so weit zurück, dass er nicht mehr trainieren kann – und doch ist er wenige Monate später Olympiasieger. Fabian Hambüchen hat sich vollendet.
Mutig und ehrlich erzählt er über sein Leben und seine Karriere, schildert seine Erfolge und Rückschläge und lässt uns teilhaben an der Kunst, aus Niederlagen gestärkt hervorzugehen. Sein Geheimnis: die mentale Kraft – und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment ganz bei sich zu sein. Eine faszinierende Lebensgeschichte, die dazu motiviert, sich nicht mit weniger zufriedenzugeben. Denn du kannst alles erreichen, im Sport wie im Leben.

Meine Meinung:
Fabian Hambüchen hat mich seit der Olympiade 2004 immer wieder mächtig beeindruckt. Da ich früher selbst geturnt habe, konnte ich mir gut vorstellen, wie er sich gefühlt haben muss, wenn er z.B.  mitten im Turnier vom Reck gekracht ist. Deshalb habe ich dieses Buch mit großem Interesse zu lesen begonnen. Den Anfang fand ich etwas anstrengend, weil er sich da ausgerechnet von einer recht unsympathischen Seite zeigt. Aber gerade für diesen Mut, so ehrlich zu sein, habe ich großen Respekt vor ihm. Je länger ich gelesen habe, desto mehr hat mich sein Lebenslauf berührt. Als er gegen Ende von seiner letzten Olympiade 2016 erzählt, hatte ich Tränen in den Augen und musste das Buch für eine Weile weglegen, weil ich so mitgefiebert und mitgefühlt habe, obwohl ich doch schon längst wusste, wie die Sache endet.

Tipp:
Die ersten 25 Seiten gibt es als kostenlose Leseprobe.

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