Samstag, 1. August 2015

Gehört: "Das Rosie-Projekt" von Graeme Simsion, gelesen von Robert Stadlober




Coverbild freundlicherweise vom Argon Verlag zur Verfügung gestellt

Autor: Graeme Simsion
Sprecher: Robert Stadlober
Verlag: Argon
Dauer: 6 Stunden 27 Minuten (5 CDs)
ISBN 978-3-8398-5196-8

Klappentext:
Don Tillman will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: Mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist. 
Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin. Offensichtlich ungeeignet. Aber Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt: Sie sucht ihren biologischen Vater. Dafür braucht sie Dons Kenntnisse als Genetiker. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik.

Meine Meinung:
Das Rosie-Projekt ist ja schon in der Blogosphäre rauf und runter bejubelt worden. Komischerweise führt so viel Lob bei mir dazu, dass ich irgendwann gar keine Lust mehr habe, das Buch zu lesen. So ging es mir auch damals mir Harry Potter und ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um der Welt von J.K. Rowling zu verfallen. Ähnlich ging es mir jetzt mit dem Rosie-Projekt. Aber als ich es neulich in der Stadtbücherei als Hörbuch gefunden habe, gab ich nach und nahm es mit nach Hause. Jetzt bin ich auch eine, die davon schwärmt. *seufz*
Die Geschichte ist großartig! Sie ist aus der Perspektive des Don Tillman geschrieben, der trotz seiner Verschrobenheit, Soziophobie und Pedanterie unheimlich liebenswert ist. Oder vielleicht gerade deshalb? Man fühlt, denkt, leidet und freut sich mit ihm, wie er mit Menschen klarzukommen versucht, die alle so anders sind als er. In vielen Rezensionen geht es nur um die Liebesgeschichte, aber das Rosie-Projekt handelt von viel mehr: Es geht um Freundschaft und Loyalität, ums Normalsein und Anderssein, um Identität und Familie.
Robert Stadlober liest die Geschichte deutlich und mit viel Tempo, manchmal für meinen Bedarf etwas zu gehetzt. Bei Dialogen haben die Personen leider alle dieselbe Stimme, das macht es gelegentlich schwierig, zu verstehen, wer da gerade was sagt. Aber im Großen und Ganzen hat es mir viel Spaß gemacht, das Hörbuch zu hören.

Tipp:
Auf der Homepage des Argon Verlags gibt es eine 4 Minuten lange Hörprobe. Da könnt Ihr einen Eindruck von Robert Stadlobers Stimme und Lesart bekommen. Falls sie Euch nicht zusagt, könnt Ihr ja das Buch lesen. Denn wer das Rosie-Projekt noch nicht kennt, muss das ganz schnell nachholen!


Freitag, 31. Juli 2015

Gehört: "Rubinrot - Das Filmhörspiel" von Kerstin Gier



Cover freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt

Titel: "Rubinrot - Liebe geht durch alle Zeiten" Filmhörspiel
Autor: Kerstin Gier
Drehbuch: Katharina Schöde
Verlag: der Hörverlag
Ab 13 Jahren
2 Audio-CDs, Laufzeit: 121 Minuten
ISBN: 978-3-86717-981-2
€ 14,99 [D], € 14,99 [A], CHF 21,90


Klappentext:
Gwendolyn Shepherd ist eigentlich eine ganz normale Sechzehnjährige – ihre Familie hat jedoch ein Geheimnis: Seit Generationen wird mütterlicherseits ein Zeitreise-Gen weitervererbt.
Kerstin Giers phänomenaler Bucherfolg kommt jetzt in einer heiß ersehnten, aufwändig produzierten Verfilmung in die Kinos, mit einem Cast, der keine Wünsche offen lässt: Maria Ehrich (Rock it) als Gwen, Jannis Niewöhner (Gangs, TKKG) als Gideon, sowie Josefine Preuß, Florian Bartholomäi, Kostja Ullmann, Veronica Ferres, Katharina Thalbach, Uwe Kockisch, Axel Milberg, Gottfried John, Rüdiger Vogler, Peter Simonischek, Sibylle Canonica und vielen anderen.


Meine Meinung:
Die Edelstein-Trilogie habe ich damals regelrecht verschlungen. Aber wie das so ist, wenn man Kinder und somit ein turbulentes Leben hat, verpasst man das eine oder andere, sodass mir der Kinostart der Verfilmung wohl entgangen ist. Irgendwann habe ich dann Kritiken gelesen, dass der Film leider keine gelungene Umsetzung sein soll: schlechte Kameraführung, unerfahrene Hauptdarsteller usw.
Aber das Hörspiel ist ja ohne Bild, sodass weder Kamera noch Mimik oder Gestik eine Rolle spielen. Und das, was übrig bleibt, ist wirklich hörenswert! Die Geräusche und Musik aus dem Film untermalen die Geschichte eindrucksvoll, der Ton ist natürlich wieder perfekt - typisch Hörverlag!
Wer also das Buch mochte, aber den Film nicht gesehen hat oder davon enttäuscht ist, hat hier eine prima Alternative. Und wer den Film mag, kann ihn mit Hilfe des Hörspiels beim Joggen, Putzen, Stricken oder zum Einschlafen immer wieder als Hörspiel genießen.
Ob man die Handlung versteht, wenn man das Buch nicht kennt, kann ich leider nicht so gut beurteilen. Aber da wir die Geschichte ja hauptsächlich aus der Perspektive von Gwendolyn erleben, die selber anfangs auch planlos herumstolpert und nichts versteht, müsste es eigentlich funktionieren.

Tipp:
Auf der Homepage des Verlags gibt es eine Hörprobe.


Gehört: "Kuschelflosse - Das unheimlich geheime Zauber-Riff" von Nina Müller, gelesen von Ralf Schmitz


Cover freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt

Autor: Nina Müller
Sprecher: Ralf Schmitz
Verlag: cbj audio
Ab 4 Jahren
2 Audio-CDs, Laufzeit: ca. 84 Minuten
ISBN: 978-3-8371-3140-6
Preis: € 7,99 [D], € 9,00 [A], CHF 11,90


Klappentext:
Kuschelige Fische, kichernde Schwimmerdbeeren, eklige Quallenrotze - ein fröhlich-durchgedrehter Hörbuchspaß für die ganze Familie!
Willkommen in Fischhausen! Hier leben Kuschelflosse, das Seebrillchen Sebi, Herr Kofferfisch und die Schwimmerdbeere Emmi. Eines Tages hört Kuschelflosse im Unterwasser-Radio von einem geheimnisvollen Riff. Dort soll eine uralte Zauber-Schildkröte wohnen, die Wünsche erfüllen kann. Zusammen mit seinen Freunden macht sich Kuschelflosse auf die abenteuerliche Reise zum Zauber-Riff ...

Meine Meinung:
Ralf Schmitz liest sehr enthusiastisch, er verleiht jedem der liebenswerten Meeresbewohner eine eigene, sehr charakteristische Stimme, sodass man die Figuren sofort ins Herz schließt. Sein Vortrag wird von Geräuschen und Musik untermalt, das schafft eine schöne Atmosphäre.
Während wir die vier Freunde Kuschelflosse, Sebi, Herrn Kofferfisch und Emmi auf ihrer abenteuerlichen Reise begleiten, lernen wir ganz nebenbei, wie wichtig Freundschaft und Toleranz sind.
Leider ist der einzige weibliche Fisch etwas farblos. Schwimmerdbeere Emmi interessiert sich nur für Süßigkeiten und Purzelbäume, kichert viel rum und hat sonst nichts zu sagen. Den Bechdel-Test besteht die Geschichte leider auch nicht, denn selbst als die vier Fischfreunde anderen weiblichen Figuren wie der Rosa Muschel oder der Zauber-Schildkröte begegnen, kommt es zu keinem Dialog zwischen ihnen und Emmi.
Den Hinweis "ein fröhlich-durchgedrehter Hörbuchspaß für die ganze Familie!" sollte man übrigens wörtlich nehmen und die Geschichte wenigstens beim ersten Mal gemeinsam mit den Kindern hören, denn an manchen Stellen ist die Handlung recht dramatisch, sodass sich kleine, empfindliche Zuhörer sehr fürchten könnten, wenn z.B. Kuschelflosse von einer fiesen Feuerqualle angegriffen und fast gefressen wird. 

Tipp:
Auf der Homepage des Verlags gibt es eine Hörprobe, das sich als Video mit Ralf Schmitz beim Aufnehmen des Hörbuchs nebst Interview entpuppt.


Donnerstag, 30. Juli 2015

Mama-Tipp: Meine bewährten Reisetricks, um Gepäck zu sparen


Sommerzeit ist Reisezeit, jedenfalls für viele. Und jedes Jahr fragt man sich, wie dieses ganze Zeug ins Auto passen soll. Wer mit der Bahn oder gar mit dem Flugzeug reist, kann sogar noch weniger mitnehmen. Im Laufe der Jahre habe ich ein paar Tricks ausgetüftelt, die ich hier gern mit Euch teile:

1. Dank Internet kann ich mich vor dem Urlaub informieren, welche Geschäfte es in der Nähe unseres Ferienhauses gibt. So nehmen wir an Lebensmitteln und Kosmetik nur mit, was wir bis zum ersten Einkauf benötigen (ggf. kleine Mengen abfüllen) und natürlich alles, was wir dort voraussichtlich nicht kaufen können.

2. Wir haben zwar vier verschiedene Zahnpasta-Tuben, aber zum Duschen und für die Haare nehmen wir alle dasselbe Waschgel. (Wer es genau wissen will, es ist das "babydream extra sensitive Waschlotion & Shampoo 2 in1" von Rossmann. Nein, ich bekomme kein Geld dafür, dass ich das hier schreibe.) Für die Hände nehme ich ein Stück feste Seife mit.

3. Kleidung muss kombinierbar sein. Wenn jede Hose zu jedem Oberteil passt, kann man die Urlaubsgarderobe optimal nutzen. Eine Regenjacke, eine Fleece- oder Strickjacke und eine Weste kann man auch gut im Lagenlook für kalte Tage übereinander tragen. Die unterste Schicht ist bei uns immer ein T-Shirt, das kann man besser waschen, wenn es verschwitzt ist, als einen Wollpullover.

4. Handwäsche spart viel Gepäck. Bei Kindern weiß man vorher eh nie, ob sie drei Wochen mit zwei Shorts und zwei T-Shirts auskommen oder jeden Tag von oben bis unten vollgesaut sind. Ich benutze zum Waschen die feste Seife oder unser Waschgel. Flecken bearbeite ich mit der Nagelbürste und lasse die Teile eine Weile einweichen. Wer sogar eine Waschmaschine am Urlaubsort nutzen kann, hat es noch besser! Gerade im Sommer trocknen die Sachen ja auch recht schnell. Viele Vermieter von Ferienwohnungen und -häusern stellen auf Nachfrage auch einen Wäscheständer zur Verfügung. Notfalls spanne ich eine Wäscheleine im Garten oder im Ferienhaus. Eine Wäscheleine ist auch ein prima Helfer, um Kleidung auf Bügeln aufzuhängen, wenn im Schrank zu wenig Platz ist oder wenn es keine Garderobe gibt. Außerdem kann man damit auch Kasperletheater spielen: eine Tischdecke über die Leine, verschieden farbige Socken als Handpuppen und los geht's!


5. Meine Kinder haben kleine Rucksäcke, in denen sie auf Ausflügen und bei der Anreise ihre Trinkflasche, die Regenjacke und einen Snack tragen. Ich bin nämlich kein Packesel. So muss ich auch nur meine Handtasche mitnehmen und nicht noch zusätzlich den großen Familienrucksack.


6. Bei Ferienhäusern und -wohnungen weiß man ja nie, in welchem Zustand man sie vorfindet. In ganz schlimmen Fällen kann man sich natürlich beschweren und eine Nachbesserung anfordern. Bei Novasol z.B. muss man innerhalb von 24 Stunden reklamieren, dann wird sofort kostenlos nachgeputzt. Man weiß auch nie, welche Putzmittel und -geräte vorhanden sind. Zwei Spültücher, eine kleine Flasche Spülmittel und Spülmaschinentabs nehme ich immer mit. Außerdem feuchte Putztücher, die Tuch-an-Tuch aus der Packung kommen wie Babyfeuchttücher. Damit kann man alle Oberflächen prima reinigen und desinfizieren, auch unterwegs auf dem Eisenbahn- oder Raststätten-WC. Sie nehmen wenig Platz weg, können nicht auslaufen und sind vielseitig einsetzbar. (Im Alltag zuhause putze ich aber nicht damit, das wäre mir zu umweltschädlich. Ach ja, bitte nicht ins WC werfen, das verstopft sonst. Und wer nimmt schon einen Pümpel mit in den Urlaub?)

7. Wir nehmen wirklich wenig Spielzeug mit, denn meist sind im Ferienhaus genug Sachen vorhanden. Ein paar kleine Autos, Pixi-Bücher, Domino, Memory usw. Aber nicht im Originalkarton, da ist viel zu viel Luft drin. Ich mache ein Gummi um die Karten und stecke alles zusammen in eine kleine Plastikbox, die wir im Urlaub für Marschverpflegung benutzen. Mit einem Block, einem Stift und sechs Würfeln bzw. einem Skat- oder Rommé-Spiel lassen sich auch viele Stunden äußerst vergnüglich verbringen.

8. Am Strand kann man Kleckerburgen bauen, Steine ins Wasser werfen, Muscheln sammeln. Mehr als die Grundausstattung, also einen Eimer und eine Schaufel pro Kind, brauchen wir nicht.


9. Wir benutzen alle dieselbe Sonnencreme. Davon brauchen wir auch nicht viel, denn wir meiden die pralle Mittagssonne. An heißen Tagen sind wir lieber früh unterwegs und machen zwischen 11 und 15 Uhr eine lange Mittagspause mit Duschen, Essen, Mittagsschlaf und gehen lieber später noch einmal los. Unsere Kinder sind es auch gewohnt, jeden Tag eine Stunde Mittagsruhe zu machen, das ist einer der wichtigsten Tipps überhaupt, damit ich als Mama auch mal zur Ruhe kommen kann.


10. Mein Mann und ich nehmen nur ein Ladegerät für Smartphone, mp3-Player und Tablet mit. Da alles aus dem Haus mit dem angebissenen Obst stammt, lassen sich alle Teile mit demselben Gerät laden, ggf. mit Adapter. Das erfordert allerdings manchmal einen "Ladeplan", wer wann sein Gerät laden darf. Letztes Jahr habe ich leider das Ladegerät für mein Klapphandy vergessen, das war blöd, aber wir sind auch so klargekommen. Trotzdem werde ich es dieses Jahr doch lieber mitnehmen.

11. Sogar mein E-Book-Reader lässt sich mit dem o.g. Ladegerät laden, das ist sehr praktisch. Trotzdem nehme ich allerdings ein paar Papierbücher zusätzlich mit, die ich schon lange lesen will und die ich als perfekte Sommerurlaubslektüre einschätze.

12. Wer strickt, ist mit einem Projekt aus dünner Wolle besser beraten, da sind einfach mehr Meter zu stricken, das dauert länger. Also lieber ein dünnes Lacetuch als eine dicke Mütze einplanen.
Wenn mir noch etwas einfällt, werde ich die Liste ergänzen.
Habt Ihr noch einen ultimativen Tipp? Dann her damit!


Mittwoch, 29. Juli 2015

Me Made Mittwoch: Sommer-Raglan aus Baumwolle




Der heutige MMM ist ja der letzte vor der Sommerpause und hat eigentlich das Thema "Das packe ich in meinen Koffer". Dieser frisch von den Stricknadeln gehüpfte Pulli entspricht zwar nicht so dem, was man bei diesem Thema erwarten würde (Flatterkleider, Bikinis & Co.), aber für mich ist es ein typischer Sommerpulli. Mein Mann hat nämlich schlechtes Reisewetterkarma. Wo immer wir im Sommer hinfahren, garantiert regnet es dort mindestens zwei Drittel der Zeit.


Die obere Hälfte ist das Modell "Simple Summer Tweed Top Down V-Neck" von Heidi Kirrmaier. Die Anleitung gibt es kostenlos bei Ravelry.


Die Ab- und Zunahmen für die Taille habe ich nach eigenen Berechnungen gemacht. Außerdem sieht die Anleitung an allen Kanten Rollbündchen vor, die mag ich aber nicht.



Stattdessen habe ich an den Ärmeln und am Saum 10 cm lange Bündchen in 4 rechts/4 links gestrickt.


Die Raglanschräge wird nicht nach Standardprinzip gestrickt wie bei den meisten anderen Anleitungen, sondern es wird mal öfter und mal seltener zugenommen, sodass die Form leichte Ähnlichkeit mit einer normalen Armkugel hat.


Den Ausschnitt habe ich vorn einfach pur gelassen. Hinten hat er sich leider nach außen gerollt, da habe ich ihn einfach nach innen umgeklappt und von Hand festgenäht.


Das Material ist ein namenloses Baumwollgarn aus dem Nachlass meiner Mutter. Es hatte die Form eines fast fertig gestrickten 80er-Jahre-Pullis: Kastenform mit quadratischer Flächenaufteilung, jede Fläche ein anderes Muster (Rippen, Zöpfe, Perlmuster etc.). Leider habe ich vor dem Ribbeln kein Foto gemacht.


Einziges Problem: Das Garn flust meine Umhängetasche voll. Hoffentlich ist das kein Pilling-Vorbote. Ich habe meine Maschenprobe natürlich gewaschen, aber wer weiß, wie sich das Garn auf die Dauer verhält? Wir werden sehen.


Was die anderen Me Made Mädels so im Sommer brauchen, sehen wir auf dem MMM-Blog. Dort zeigt Wiebke heute einen wunderbaren Overall, der bestimmt in London und Südfrankreich allover eine gute Figur macht.

Und hier gibt es morgen meine ultimativen Tipps, wie ich im Urlaub mit Kindern eine Menge Gepäck spare.



Dienstag, 28. Juli 2015

Upcycling: Wozu alte Stecknadeln noch gut sind



Wenn meine Stecknadeln oll sind, landen sie immer in dieser alten Blechbüchse. Eigentlich, damit sie nicht lose in der Mülltüte landen. Aber neulich hatte ich eine Idee, wie mir die stumpfen, angerosteten oder verklebten Nadeln noch nützlich sein können.


Dazu kam eine typische Versandverpackung.


Die Nadeln habe ich in die Seitenkanten gepiekt.


Baumwollgarn an der ersten Nadel festknoten, anschließend immer hin und her spannen, zum Schluss an der letzten Nadel festknoten.


Fertig ist der Webrahmen.


Das Garn für die Schussfäden habe ich auf ein Schiffchen aus Pappe gewickelt, aber das war zu dick und gleichzeitig zu instabil.


Also habe ich das Garn wieder (wie bereits bei diesem Webprojekt) mit der dicken, vorn gebogenen Nähnadel verwoben.


Ich arbeite noch daran, die typische Taillenbildung zu vermeiden.


An den Anfang hatte ich einen schmalen Kartonstreifen als Abstandshalter eingefädelt.


Nach dem Weben zieht man entweder die Nadeln heraus oder man schneidet die Kettfäden durch. Ich habe die Kettfäden auf der einen Seite wie einen französischen Zopf geflochten und aus dem Ende einen Aufhänger gemacht.


Auf der anderen Seite habe ich Fransen geknotet.


Das Webstück habe ich einmal gefaltet und von Hand zusammengenäht.


Fertig ist der Waschlappen. Die Fransen kann man außen lassen...


...oder nach innen stecken.

Dieses Projekt macht mit bei:
und beim Upcyclingdienstag, wenn ich daran denke, mich dort nach der Sommerpause zu verlinken.


Donnerstag, 23. Juli 2015

Gelesen: "Schneckenmühle" von Jochen Schmidt




Coverbild vom Verlag zur Verfügung gestellt

Autor: Jochen Schmidt
Titel: Schneckenmühle - langsame Runde
Verlag: C. H. Beck
220 Seiten
gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-406-64698-0
17,95 €

Klappentext:
Jens ist vierzehn geworden und darf zum letzten Mal ins sächsische Ferienlager Schneckenmühle fahren. Dort kann man Skat spielen, Fußball und Tischtennis, und dann sind da natürlich noch die Mädchen und die Frage, wie man es mit dem Tanzen hält. Es ist der Sommer 1989 in der DDR – und nicht nur den Jugendlichen stehen große Veränderungen bevor. Jochen Schmidts neuer Roman, mit großer Wärme und Komik erzählt, berichtet von Zeiten des Umbruchs, hinreißend und anrührend.

Meine Meinung:
Über die Wendezeit gibt es ja inzwischen so viele Bücher und Filme. Aber dieser Roman hat mich besonders berührt, weil er aus der Sicht eines 14-jährigen im Ferienlager geschrieben ist. Ich war damals nur wenig jünger. Naja, ich war ein Westberliner Mädchen und Jens aus dem Buch ist ein Ostberliner Junge, aber trotzdem kann ich so mit ihm fühlen. Wie er sich Gedanken macht über die Kirche, Gott, die Liebe, Sprache, den Sozialismus, Westprodukte. Da werden Bruchstücke aneinander gereiht, teilweise Weisheiten von anderen Jungen, teilweise Sätze aus Büchern oder aus der Werbung, und so setzt er sich sein Bild vom Leben zusammen. (Diese Bruchstücke und Gedankenfetzen lesen sich übrigens ganz wunderbar im Gegensatz zu dem Buch, von dem ich gestern geschrieben habe.)
Jens macht sich heimlich Notizen, welche Radiosender er nach den Ferien unbedingt hören will, weil andere im Lager davon erzählen. Er lernt die Witze und Sprüche der coolen Jungen auswendig, um zuhause seine Schulfreunde damit zu beeindrucken.
Was im Hintergrund politisch los ist, bekommen die Kinder im sächsischen Ferienlager nicht mit, aber als Leser erkennt man natürlich die Hinweise.
Das Ende ist mir persönlich zu abrupt und dramatisch, aber ich verstehe schon, dass das bei einem Buch über den Sommer 1989 so sein muss.

Tipp:
Beim C.H.Beck-Verlag gibt es eine umfangreiche Leseprobe.
Dort gibt es auch einen Videoclip vom Autor, der eine andere, lange Textstelle vorliest. Ich finde seinen Lesestil alerdings etwas dröge und nicht gerade repräsentativ.
Die Leseprobe von btb, bei dem die Taschenbuchausgabe erschienen ist, ist sogar noch etwas länger, dafür nicht ganz so komfortabel zu lesen.



Mittwoch, 22. Juli 2015

Gelesen: "Vorliebe" von Ulrike Draesner




Coverbild vom Verlag zur Verfügung gestellt


Titel: "Vorliebe"
Autorin: Ulrike Draesner
Verlag: btb
Taschenbuch
256 Seiten
ISBN: 978-3-442-74306-3
€ 9,99 [D] € 10,30 [A] CHF 13,90

Klappentext:
Ein Wiedersehen, das einschlägt wie ein Blitz: plötzlich steht die Astrophysikerin Harriet ihrer großen Liebe von einst gegenüber. Und allmählich, aber unaufhaltsam, gerät ihr bisheriges Leben aus seiner geordneten Umlaufbahn. Ulrike Draesners neuer Roman ist ein mit großer Lust und Rasanz betriebenes Forschen nach den romantischen Gefühlen in Zeiten der Abgeklärtheit.

Meine Meinung:
Die Geschichte hat mir ganz gut gefallen, auch wenn ich mit zunehmendem Alter immer weniger verstehe, warum Menschen fremdgehen. Können die sich mal vor der Ehe überlegen, was sie wollen?  Und dann gemeinsam eine Lösung suchen, wenn die Ehe langweilig wird?
Die Sprache fand ich einfach nur anstrengend. Auf mich wirkt sie krampfhaft literarisch, als wolle die Autorin unbedingt für ihre Konstruktionen bewundert werden. Das wirkt alles andere als natürlich.

Tipp:
Es gibt eine umfangreiche Leseprobe. Wer an dem Buch interessiert ist, sollte auf jeden Fall probelesen.


Freitag, 17. Juli 2015

Über die Maßlosigkeit


Ich beobachte seit ein paar Jahren einen Trend, der mir Sorgen macht: Kinder werden immer früher mit Gewalt konfrontiert und Medien werden maßlos konsumiert. Ich nenne mal ein paar Beispiele:
In der Kita haben schon mehrere Kinder Kleidung und Taschen mit Star Wars Motiven drauf. Es gibt Lego Duplo mit Batman. Müssen so kleine Kinder wirklich schon so aufregende und zum Teil furchterregende Figuren kennen? Das große Kind erzählt mir, dass die anderen in der Klasse schon Die drei Fragezeichen hören bzw. die Filme gesehen haben. Harry Potter kennen natürlich auch alle schon. In der zweiten Klasse kennen fast alle die Star Wars Filme. Nur mal zur Erinnerung: Da schlägt ein Mann einem Jungen mit dem Laserschwert die Hand ab und sagt danach: "Ich bin Dein Vater."
Viele Dreijährige in unserer Umgebung haben schon den Film "Die Eiskönigin" gesehen. Den Film finde ich zwar sehr schön (vor allem wegen der feministischen Grundhaltung), aber ehrlich gesagt ist er meiner Meinung nach erst für Grundschüler geeignet. Schließlich ist die Geschichte von einem Mädchen, dass Eisblitze schießt, damit fast ihre Schwester umbringt und daraufhin von ihr isoliert wird, kein Spaß sondern sehr traurig. Da hilft auch ein lustiger Schneemann nicht als Kompensation. Und es wird auch nicht besser, wenn solche Filme fünfmal pro Woche gesehen werden. Oder ganze Serien stundenlang am Stück.

Warum lassen Eltern ihre Kinder so früh diese Filme sehen? Sind sie selbst so abgestumpft? Sollen die Kinder abstumpfen? Meine Kinder haben jedenfalls noch Mitgefühl und das soll auch so bleiben. Neulich habe ich im Wohnzimmer eine Fliege erschlagen, die kaum noch fliegen konnte. Das große Kind hat sofort geweint: "Die arme Fliege! Die wollte bestimmt noch gern leben!" Erst war ich irritiert, dann belustigt, aber ehrlich gesagt ist es doch auch ganz richtig! Ich bringe meinen Kindern bei, dass man niemandem weh tun darf und dass sie sich gegenseitig trösten sollen, wenn jemand weint.

Ich frage mich auch, was die Kinder, die so früh schon Star Wars sehen, sich mit 12 Jahren anschauen sollen? Terminator? Rambo? Final Destination? Und was sehen sie dann mit 18???

Was soll das für eine Gesellschaft werden, in der alle so abgestumpft sind und kein Mitgefühl haben? Was passiert dann mit Alten, Kranken und Behinderten?



So geht's doch auch: Die Kinder lesen mit ihrem Besuch zusammen ein Buch. Zwar sind die Schlümpfe auch oft brutal, aber bei Büchern kann man zwischendurch wenigstens mal sagen: "Das ist aber gemein! Statt ihn zu hauen könnte er doch..."


Natürlich wollen wir unsere Kinder aber auch nicht zu Außenseitern machen. Wir führen sie langsam an gewisse Themen heran und sie dürfen auch ab und zu einen Film sehen. Aber wenn wir merken, dass sie emotional überfordert sind, schalten wir einen Gang runter. Und wir sehen uns die Sachen vorher selber an, bevor wir sie den Kindern zeigen. 
Übrigens haben meine Kinder sehr selten Albträume. Wer noch keine Zombies und Vampire kennt, kann auch nicht von ihnen träumen...


Donnerstag, 16. Juli 2015

Kleiner Aufwand, große Wirkung: positiv formulieren!



Neulich im Rückbildungskurs*: Ich liege auf dem Rücken, die Beine schräg in der Luft und trainiere das, was früher mal Bauchmuskeln waren. Die Trainerin ruft: "Ja, das ist anstrengend. Ihr denkt ihr könnt nicht mehr. Die Beine sind so schwer und ziehen nach unten..."
Ich konnte richtig fühlen, wie mich das letzte Stück Kraft und Motivation verlässt. Erst bin ich frustriert. Dann wütend. Was soll das? Als Hebamme sollte sie wissen, wie man Frauen motiviert.
Zum Glück kam ich auf die Idee, mich in Gedanken selbst anzufeuern: "Ich schaffe das! Ich habe die Kraft! Ich halte durch!" Et voilà, schon ging es viel besser!

Auf dem Spielplatz: Ein Kind auf dem Klettergrüst will vorwärts die Leiter herunter klettern. Der Vater steht daneben und motzt: "Nicht vorwärts! NIIIICHT VOOORWÄÄÄÄRTS!" Das Kind versucht es weiter vorwärts und kommt gar nicht auf die Idee, die Leiter rückwärts hinunter zu klettern.

Als ich klein war, hatte ich einen Lieblingsteller. Er war von Sarah Kay oder Miss Petticoat, das weiß ich nicht mehr genau. Von diesem Teller wollte ich bei allen Mahlzeiten essen. Und wie jedes Kind wollte ich möglichst viel selber machen, also auch den Tisch decken. Meine Mutter hat gesagt: "Du fällst doch wieder hin und dann geht der Teller kaputt und dann weinst du." Und was ist passiert? Als braves Kind habe ich natürlich gemacht, was Mama sagt: Ich bin hingefallen, habe den Teller zerschmissen und geheult.

Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich perfekt bin und immer alles positiv formuliere. Aber ich achte sehr viel darauf und kann sagen, dass es erstaunlich gut funktioniert. Meine Kinder haben z.B. noch nie Geschirr oder Gläser fallen lassen, wenn sie den Tisch gedeckt haben. Wir sagen immer: "Geh langsam, pass gut auf, halt den Teller gut fest." Und dann machen die Kinder das auch.

Das positive Formulieren hilft übrigens nicht nur in der Kindererziehung. Auch in der Partnerschaft ist es sinnvoll, egal ob im Bett oder im Haushalt...

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*Der Entwurf für diesen Text ist schon ein paar Jahre alt. Ich habe ihn beim Aufräumen gefunden und jetzt endlich mal fertig geschrieben. Das Thema ist ja zeitlos.