Sonntag, 17. Januar 2016

Gelesen: "Die Tuchvilla" von Anne Jacobs



Coverbild freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt

Autorin: Anne Jacobs
Titel: Die Tuchvilla
Verlag: blanvalet
ISBN 978-3-442-38137-1
Preis: € 9,99 [D], € 10,30 [A], CHF 13,90
Taschenbuch
704 Seiten
erschienen Dezember 2014

Klappentext:
Ein Herrenhaus. Eine mächtige Familie. Ein dunkles Geheimnis ... 
Augsburg, 1913. Die junge Marie tritt eine Anstellung als Küchenmagd in der imposanten Tuchvilla an, dem Wohnsitz der Industriellenfamilie Melzer. Während das Mädchen aus dem Waisenhaus seinen Platz unter den Dienstboten sucht, sehnt die Herrschaft die winterliche Ballsaison herbei, in der Katharina, die hübsche, jüngste Tochter der Melzers, in die Gesellschaft eingeführt wird. Nur Paul, der Erbe der Familie, hält sich dem Trubel fern und zieht sein Münchner Studentenleben vor – bis er Marie begegnet ... 

Meine Meinung:
Das Setting dieses Romans erinnert stark an die erste Staffel von Downton Abbey: ein Herrenhaus mit einer großen Dienerschaft, das Leben kurz vor dem ersten Weltkrieg, Liebe, Intrigen und Geheimnisse...
Allerdings spielt die Geschichte in Augsburg und die Melzers sind nicht adlig, sondern neureich. Die Geschehnisse sind auch nicht ganz so dramatisch wie bei Downton Abbey, aber genau das hat mir gut gefallen.
Es wird in der dritten Person abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven erzählt (ich glaube, das heißt "multiperspektivische Erzählhaltung"), so kommen Bedienstete und Herrschaften gleichermaßen zu Wort. Man versteht so besser die Motive und Zusammenhänge.
Die dargestellte Diplomatie und das Fingerspitzengefühl der Damen fand ich sehr bewundernswert, ebenso haben mich die Einblicke in die Aufgaben z.B. der Kammerzofen schwer beeindruckt. Sie müssen den gnädigen Damen nicht nur beim Ankleiden und Frisieren helfen sowie die Kleiderkammer aufräumen, sondern auch die Kleidung der Herrschaften ohne Aufforderung kontrollieren, reinigen und ausbessern, dabei beachten, was diese heute noch vorhaben, dürfen sie aber unter keinen Umständen stören. Wenn z.B. die Gnädige mit Migräne im Bett liegt, gibt es keinen Weg in ihre Kleiderkammer.
Die Sprache finde ich angemessen, sie ist weder zu modern noch zu gestelzt. Nur ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen: Sprach man damals schon von "leckerem" Essen? Und hat man den Stein auf der Straße schon an die Seite "gekickt"?
Der zeitliche Rahmen und die politische Lage werden meist nur grob umrissen, so gefällt es mir.
In der Tuchfabrik wird gesponnen, gewoben und gedruckt, Marie entwirft und näht Kleider, aber mir als Hobbyschneiderin und Ingenieurin war das alles leider etwas zu oberflächlich, da hätte ich mir mehr Details gewünscht.
Am Ende des Romans verwischen leider die Perspektiven und es wird für meinen Geschmack ein wenig zu kitschig. Manche Fäden wurden auch nicht zu Ende gesponnen, aber da hoffe ich auf den zweiten Band "Die Töchter der Tuchvilla", der hier schon bereit liegt. Immerhin gibt es auf den letzten Seiten noch zwei kleine Überraschungen, die mir gefallen haben.

Tipp:
Auf der Homepage des Verlags gibt es eine Leseprobe.

Und weil dieses Buch über 500 Seiten hat, verlinke ich es Ende März bei der lesenden Minderheit.

1 Kommentar:

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