Sonntag, 24. Januar 2016

Der kleine Vampir und die Frage aller Fragen


Vorbemerkung:
Ich liebe den kleinen Vampir. Der erste Band war eins der ersten "richtigen" Bücher, die ich als Kind selbst gelesen habe. Jeder neue Band wurde sofort gekauft, verschlungen und immer wieder gelesen. Das sieht man den Exemplaren in meinem Regal auch deutlich an. 
Die Geschichte ist romantisch, ohne kitschig zu sein. Der Zauber der Nacht, der Traum vom Fliegen, das ewige Leben versus die ewige Verdammnis, das alles hat mich und viele andere Kinder fasziniert.  Und wenn man sich den Erfolg von Twilight, Black Dagger usw. anschaut, hält die Begeisterung für diese Themen nach wie vor bei Jugendlichen und Erwachsenen an.
Die Freundschaft zwischen dem Menschenjungen Anton Bohnsack und den Vampirkindern Anna und Rüdiger von Schlotterstein ist etwas ganz besonderes, weil sie neugierig auf die Welt und das Leben des jeweils anderen sind, sie tolerieren das Anderssein und schützen sich gegenseitig vor den Gefahren der Welt, in der sie eigentlich fremd sind.
Anton ist ein ganz normaler Junge aus einer ganz normalen Familie. Er ist weder super beliebt noch wird er in der Schule gemobbt, sondern er lebt ein Leben, wie viele Kinder damals auch, zumindest tagsüber. Ich konnte mich mit ihm identifizieren, obwohl ich ein Mädchen war, Geschwister hatte und meine Eltern geschieden waren.
Die Geschichten sind spannend, geheimnisvoll und manchmal gefährlich, ohne jedoch brutal zu sein.
Die TV-Serie fand ich damals auch ganz gut, obwohl da die Geschichte sehr verändert wurde. Dafür gab es eine tolle Titelmelodie, einen großartigen Gert Fröbe als Geyermeier und Jim Gray als Lumpi, den ich nach wie vor zum Niederknien sexy finde. *schmacht*
Nach dem achten Band "Der kleine Vampir liest vor" war für mich aber erstmal die Luft raus. Die Handlung wurde dünn, gleichzeitig gab es die Bücher nur noch als unhandliche, teure Hardcover. Ein paar Bände hatte ich in der Bücherei ausgeliehen, aber der Zauber war weg.
Den 20. Band "Die letzte Verwandlung" habe ich vor ein paar Jahren quer gelesen und das Ende fand ich ganz okay. Als ich nun dieses Buch hier in der Bücherei zufällig entdeckt habe, war ich doch neugierig und habe es mir ausgeliehen:



Coverbild freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt

Autorin: Angela Sommer-Bodenburg
Titel: Der kleine Vampir und die Frage aller Fragen
illustriert von Amelie Glienke
Verlag: Rowohlt
240 Seiten
ISBN: 978-3-499-21725-8
Preis: 12,00 €
Erscheinungstermin: 25.09.2015

Klappentext:
Seit dreihundertdreiundvierzig Nächten hat Anton seine Freunde, den kleinen Vampir Rüdiger von Schlotterstein und dessen Schwester Anna, nicht mehr gesehen. Umso größer ist Antons Freude, als Anna eines Nachts auf seinem Fensterbrett sitzt. Als Obervampirin hat Anna eine Menge neuer Aufgaben und bittet Anton, ihr den Sommer über zur Seite zu stehen. Das kommt Anton wie gerufen, denn seit seine Eltern sich getrennt haben, haben sie kaum noch Zeit für ihn. Mit Anna aber versprechen es aufregende Ferien voller Abenteuer zu werden! Doch da ist auch noch die Frage aller Fragen, die Anna ihm nur dreimal stellen kann – und die Anton vor eine endgültige, unwiderrufliche Entscheidung stellt: Will er selbst zum Vampir werden?
Der spannende letzte Band der erfolgreichen Serie um den kleinen Vampir Rüdiger, seinen Freund Anton und Anna von Schlotterstein!

Meine Meinung:
Meiner Meinung nach ist dies ein alternatives Ende für alle, die mit dem Ende von Band 20 nicht zufrieden waren.
Die Grundstimmung ist auf einmal anders. Antons Eltern sind getrennt, wir erfahren aber nicht so richtig, warum, nur dass es einen großen Streit gegeben hat. Mich nervt das, wenn das Setting auf einmal so anders ist. Es scheint mir auch eine Modeerscheinung zu sein, dass bei Fortsetzungen nach langen Pausen die Paare grundsätzlich getrennt sind (mit fallen gerade nur Beverly Hills 90210 und Bridget Jones ein, aber es gibt noch mehr Beispiele). Natürlich ergeben sich daraus neue Problemstellungen und es passt ja auch zur Realität, trotzdem nervt es mich. (Sogar Tante Dorothee lässt sich scheiden, also ist die Liebe bei Vampiren wohl auch vergänglich, das war es mit der Romantik...)
Antons depressive Stimmung nach der Trennung seiner Eltern und durch das Hin und Her Dank geteiltem Sorgerecht ist nachvollziehbar. Hinzu kommen die für (Vor-)Pubertiere üblichen Stimmungsschwankungen, denn Anton ist irgendwas zwischen 10 und 14 Jahren alt. Nur schade, dass Antons Eltern das nicht begreifen und ihm helfen, damit umzugehen.
Es war relativ schnell klar, wie die Geschichte endet. Und ich finde das Ende wirklich schlecht. Anton setzt sich gar nicht richtig mit den Konsequenzen auseinander (im Gegensatz zu Louis in "Interview mit einem Vampir", der sich z.B. einen letzten Sonnenuntergang ansieht) und ich finde es sehr gefährlich, Kindern zu vermitteln, dass man aus Trotz und weil die Eltern gerade mal blöd sind, sein Leben buchstäblich wegwerfen sollte. Wäre seine Entscheidung anders hergeleitet, würde ich vielleicht anders darüber denken, aber so finde ich es wirklich verantwortungslos von Frau Sommer-Bodenburg.
Dass in diesem Buch eigentlich kaum etwas passiert, ist dabei eher nebensächlich.
Diese Rezension zu verfassen, hat fast länger gedauert, als das Buch zu lesen.

Tipp 1:
Auf der Homepage des Verlags gibt es eine Leseprobe.

Tipp 2:
Unbedingt vorher "Anna von Schlottersteins Nächtebuch" lesen!

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