1. "Robuste Herzen" von Volker Jarck
Das Setting mag ich und manche Formulierungen sind sehr gelungen, aber die meiste Zeit fand ich den Schreibstil holperig. Die Story plätschert so dahin, die Figuren bleiben mir fremd.
2. "Else" von Jasna Fritzi Bauer und Katharina Zorn
Die Idee hat mir gut gefallen, aber die Umsetzung ist leider wirklich schwach.
Mitten in den Rückblenden wird immer wieder erklärt, dass es damals z.B. keine Sicherheitsgurte im Auto gab und dass immer und überall geraucht wurde. Das hätte man nebenbei einbauen können, aber doch bitte nicht so oberlehrerhaft! Dazu kommen einige Details, die für mich nicht in die Zeit passen. Mag sein, dass es 1968 vereinzelt Spülmaschinen gab, auch in Sportvereinen, aber selbst in den 1980er Jahren waren sie noch eher selten und ich habe in den 1990ern noch in der Kneipe von Hand gespült. Aber gut, vielleicht gab es in elitären Tennisclubs schon Spülmaschinen. Dann trinken die Frauen in der Gastronomie dieses Tennisclubs mitgebrachten Prosecco. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ohne Korkengeld geduldet wurde. Außerdem gibt es Prosecco zwar schon seit Jahrhunderten, aber erst seit den 1990ern wurde er in Deutschland zum Trendgetränk. Aber gut, vielleicht war das in Frankfurt anders. Abgebrochen habe ich die Lektüre, als der Queen "Was auch immer Liebe bedeutet" in den Mund gelegt wird. 1968. Also bitte, das hat Prinz Charles (jetzt König) 1981 anlässlich seiner Verlobung mit Lady Diana Spencer gesagt.
Die beiden Autorinnen sind eine ganze Ecke jünger als ich, aber heutzutage kann man solche Dinge recherchieren. Ich kann auch nicht verstehen, wie so etwas dem Lektorat durchrutschen kann. Das ist peinlich!
3. "Pi mal Daumen" von Alina Bronsky
Ich hatte mich so sehr auf dieses Buch gefreut, aber leider mag ich es nicht. Keine der Figuren ist mir sympathisch. Moni ist total übergriffig und mit über 50 sollte sie ihre rosarote Brille abgesetzt und gelernt haben, Grenzen zu ziehen. Oscar ist mir zu arrogant und oberflächlich. Außerdem ist sein Charakter unrund. Alina Bronsky wollte da gern einen autistischen Mathe-Nerd erschaffen, aber es kommt mir vor, als hätte sie ein paar Folgen TBBT geguckt und ein paar Mathe-Studenten befragt, wie das Studium so ist. Herausgekommen ist eine mäandernde Story voller Klischees, die sich einfach nicht echt anfühlt, sondern planlos durch verschiedene Probleme ruckelt. Ich bin selber 50 Jahre alt und habe eine große Begabung für Mathematik, die oft dazu führt, dass ich Menschen über Dinge zutexte, die kein Wort verstehen und mich anschließend seltsam finden. Meine Kinder haben diese Begabung auch geerbt.
Man sollte eben nicht über Dinge schreiben, zu denen man selbst absolut keinen Bezug hat.



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