Mittwoch, 13. September 2017

Stricken: Toe-Up Käppchenferse ohne verkürzte Reihen


Ich stricke ja schon seit fast 35 Jahren Socken und im Laufe der Zeit habe ich immer wieder neue Techniken kennen gelernt, z.B. die Herzchenferse, die Bummerangferse, das Stricken von der Spitze zum Bündchen, Socken auf der Rundstricknadel (Magic Loop) und sogar zwei Paar gleichzeitig mit Magic Loop. 
Inzwischen stricke ich am liebsten beide Socken gleichzeitig mit Magic Loop und Toe-Up, also von der Spitze zum Bündchen, weil ich so die Wolle vollkommen verbrauchen kann und weder Yarn Chicken spielen muss noch Reste behalte. Außerdem muss ich viel weniger Reihen zählen, weil ja beide Socken immer gleich viele Reihen haben. Der einzige Nachteil bisher war, dass ich Toe-Up nur Fersen mit verkürzten Reihen kannte. Und ich mag die nicht. Also habe ich das Internet durchsucht nach einer Methode, die klassische Käppchenferse quasi rückwärts zu stricken. Aber ich habe nichts gefunden. Also habe ich den Vorgang im Kopf umgedreht und es einfach mal ausprobiert. Und siehe da: Es funktioniert!
Damit nicht jede(r) das Rad neu erfinden muss, habe ich beim zweiten Mal ein paar Fotos gemacht und zeige Euch jetzt, wie es geht. Leider war es draußen schon dunkel und die Fotos sind entsprechend schlecht, aber ich hoffe, dass Ihr alles nötige sehen könnt. Ich bemühe mich auch, die Schritte ausführlich zu beschreiben. Aber falls Ihr trotzdem Fragen habt, schreibt mir einfach einen Kommentar. Und jetzt geht's los...


Zuerst zeige ich die Technik auf dem Nadelspiel. 
Diese Socke ist, wie man sieht, von der Spitze aus gestrickt. Vor dem Fersenbeginn habe ich auf beiden Seiten an der Sohle drei Spickelmaschen zugenommen, aber wie Ihr das genau macht, ist natürlich von Eurer Fußform abhängig. Wer einen hohen Spann hat, braucht mehr Weite an dieser Stelle, wer eher L-förmige Füße und hat, braucht vielleicht gar keinen Spickel. Und wer einen hohen Spann, aber eine schmale Ferse hat, macht den Spickel vielleicht lieber auf der Oberseite, nimmt also vor der Ferse auf der Oberseite Maschen zu und nach der Ferse auch dort wieder ab. Die benötige Länge könnt Ihr Euch ausrechnen, indem Ihr von der Fußlänge die Länge des Fersenkäppchens abzieht. Wie lang das ist, werdet Ihr gleich sehen.


Diese Socke stricke ich mit 60 Maschen. Die Ferse stricke ich mit einer Kontrastfarbe. Die Maschen der Oberseite des Fußes (30) sind stillgelegt, der Arbeitsfaden hängt entweder am Anfang oder am Ende dieser Nadel, das ist egal. Die Maschen der Sohle (36, das sind 6 mehr als auf der Oberseite wegen des Spickels) teile ich auf drei Nadeln auf:
13 - 10 - 13
Die mittleren 10 Maschen (das ist ein Sechstel der Gesamtmaschenzahl ohne die Spickelmaschen) stricke ich nun mit der Kontrastfarbe glatt rechts ab. Würde ich keine Kontrastfarbe benutzen, würde ich mit dem bunten Arbeitsfaden einfach die Runde stricken, bis nur die letzten 13 Maschen der Sohle übrig sind.


Die 10 mittleren Maschen stricke ich in Reihen glatt rechts, bis es insgesamt 20 Reihen sind und der Arbeitsfaden rechts ist. Dabei hebe ich immer die erste Masche ab, als wollte ich sie stricken (in rechten Reihen also wie zum Rechtsstricken, in linken Reihen wie zum Linksstricken).
Jetzt könnt Ihr die Gesamtlänge der Sohle messen, denn dieses Rechteck ist das Fersenkäppchen. Für die benötigte Sohlenlänge vor der Ferse müsst Ihr also ausmessen, wie lang 20 Reihen sind, das könnt Ihr einfach an der bisher gestrickten Sohle tun. Diese Länge zieht Ihr von der gesamten Fußlänge ab. Ich halte hier nichts von Tabellen, denn wie hoch 20 Reihen sind, hängt ganz davon ab, wie fest oder locker Ihr strickt. 
Achtung! Bei einer anderen Maschenzahl hat das Fersenkäppchen natürlich auch eine andere Breite und eine andere Reihenanzahl:





Aus den Seitenkanten des nun entstandenen Rechtecks nehme ich jeweils halb so viele Maschen auf, wie ich Reihen gestrickt habe, in meinem Fall also auf jeder Seite 10 Maschen. Ich mache das immer mit der Methode von Brentusfirmus, da werden von der linken Seite aus erst alle Maschen aus der Kante auf die Nadel genommen und danach abgestrickt.

Dann stricke ich die aufgenommenen Maschen der rechten Kante (von der Außenseite betrachtet) des Rechtecks ab, das sind also linke Maschen, wir schauen dabei auf die Innenseite der Socke. Die letzte orange Masche hebe ich wie zum Linksstricken ab, dann stricke ich die erste bunte Masche links und ziehe die abgehobene orange Masche darüber.  


*Ich wende die Arbeit, schaue jetzt also auf die Außenseite der Socke. Ich hebe die erste Masche ab wie zum Rechtsstricken und stricke alle orangen Maschen rechts. Die letzte orange Masche hebe ich wie zum Rechtsstricken ab, stricke die erste bunte Masche rechts und ziehe die abgehobene orange Masche darüber.
Jetzt wende ich die Arbeit wieder, hebe die erste Masche wie zum Linksstricken, stricke alle folgenden orangen Maschen links, hebe die letzte orange wie zum Linksstricken ab, stricke die erste bunte Masche links und ziehe die abgehobene orange Masche darüber.
Ab dem * wiederhole ich diese beiden Reihen, bis alle bunten Maschen weg sind.


Das ist die Fersenwand. Der Arbeitsfaden ist links. Das Kontrastgarn kann nun abgeschnitten werden. Jetzt wird wieder in Runden mit der Hauptfarbe gestrickt. Wer die Socke nur mit einer Garnsorte strickt, arbeitet einfach von hier aus weiter in Runden.



Jetzt zeige ich noch, wie das ganze mit Magic Loop aussieht. 
Ich hebe die ersten 13 Maschen der Sohle ab und stricke mit der Kontrastfarbe 10 rechte Maschen. Diese stricke ich in Reihen glatt rechts, bis es insgesamt 20 Reihen sind. Dabei hebe ich immer die erste Masche ab, in rechten Reihen wie zum Rechtsstricken, in linken Reihen wie zum Linksstricken. Nach 20 Reihen ist der Arbeitsfaden am rechten Ende der Reihe. Ihr habt nun das Fersenkäppchen fertig.


Dann wende ich die Arbeit und schaue auf die Innenseite. Dort nehme ich 10 Maschen aus der Kante des Rechtecks auf und stricke sie links ab. Die letzte Masche hebe ich ab wie zum Linksstricken, dann stricke ich die erste bunte links und ziehe die abgehobene orange darüber.


Ich wende die Arbeit, schaue auf die Außenseite, hebe die erste Masche wie zum Rechtsstricken ab und stricke alle orangen Maschen rechts.


Ich wende die Arbeit, nehme 10 Maschen aus der Kante auf.


*Ich wende die Arbeit wieder und stricke die aufgenommenen orangen Maschen rechts. Die letzte Masche hebe ich wie zum Rechtsstricken ab, stricke die erste bunte rechts und ziehe die abgehobene orange Masche darüber.
Jetzt wende ich die Arbeit wieder, hebe die erste Masche wie zum Linksstricken, stricke alle folgenden orangen Maschen links, hebe die letzte orange wie zum Linksstricken ab, stricke die erste bunte Masche links und ziehe die abgehobene orange Masche darüber.
Ab dem * wieder hole ich diese beiden Reihen, bis alle bunten Maschen weg sind. Die Fersenwand ist nun fertig. Die letzte Reihe ist eine rechts gestrickte und der Arbeitsfaden ist am linken Ende.
Das Kontrastgarn kann nun abgeschnitten werden. Jetzt wird wieder in Runden mit der Hauptfarbe gestrickt. Wer die Socke nur mit einer Garnsorte strickt, arbeitet einfach von hier aus weiter in Runden.


Es wirkt komplizierter, als es ist. Wenn man die Ferse in einer Kontrastfarbe strickt, sieht man gut, was zu tun ist. Ich finde die Käppchenferse Toe-Up sogar einfacher als Top-Down, weil man weniger Maschen aus der Kante aufnehmen und weil man weniger zählen muss, denn die Spickelmaschen verschwinden einfach beim Zusammenstricken an der Seite der Fersenwand.

Probiert es einfach mal aus! Ich wünsche Euch viel Spaß & Erfolg und ich würde mich freuen, wenn Ihr mir einen Kommentar schreibt, ob Ihr die Anleitung verstanden habt oder wo es noch offene Fragen gibt. Eure gestrickten Werke dürft Ihr hier auch gern im Kommentar verlinken.


Kommentare:

  1. Das ist ja cool!

    Wenn man von der Spitze aus die normale Käppchenferse strickt wie von oben, dann funktioniert das übrigens auch.

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    1. Danke!
      Ich hatte auch überlegt, die Ferse einfach kopfüber zu stricken, aber erstens mag ich das Käppchen lieber unter dem Fuß haben und zweitens ist es so wirklich einfacher. Und drittens hatte mich der Ehrgeiz gepackt: "Das muss doch gehen, das kann doch nicht so schwer sein..." :-D

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